Fahrstrecke der Buslinie 713

Grüne Liste entwickelt konkrete Vorstellungen, um den öffentlichen Personennahverkehr in Plankstadt zu verbessern

Die Grüne Liste Plankstadt e.V. (GLP) hatte ins Gasthaus Engel eingeladen, um die öffentliche Diskussion in Plankstadt zur Verbesserung des ÖPNV aufzugreifen. Während der Bürgermeisterwahl war deutlich geworden, dass dieses Problem die Bevölkerung in Plankstadt beschäftigt und die jahrzehntelangen Forderungen der GLP für eine Verbesserung berechtigt waren.

Als Einstimmung zum Thema ÖPNV wies Schüller daraufhin, dass sie vor rund 25 Jahren als Studentin nach Plankstadt gekommen sei und seit dieser Zeit sich an der Busverbindung nicht viel getan hat. "Das ist so, als hätten Sie in den letzten 25 Jahren keine Modernisierungs- oder Sanierungsmaßnahme an ihrem Haus oder Ihrer Wohnung vorgenommen. Sie würden den jetzigen Ansprüchen einfach nicht mehr genügen."
Argumente wie "eigenwirtschaftlich fahrende Buslinie, da können wir keine Änderungen vornehmen" wie sie von der Verwaltung und dem BRN zu hören sind, dürften kein Hinderungsgrund sein, sich Gedanken über eine moderne, zeitgemäße Verbindung zu machen und deren Verwirklichung zu fordern.

ÖPNV-Wüste Plankstadt

Foto (privat): Vorstandsfrau Sigrid Schüller begrüßte Gäste und Referenten Christoph Ruebeling, Christa Balling-Gündling und Erwin Leuthe.

Gute Verbindungen als Alleinstellungsmerkmal für Plankstadt erkennen

Gerade Plankstadt muss die Anbindung an die S-Bahn in Schwetzingen und die Straßenbahnlinie nach Heidelberg stärken, wenn die Bevölkerungszahl stabil gehalten werden soll, stellte Schüller fest. Bauplätze, gibt es in den Nachbarorten, z.T. wesentlich günstiger, Kinderbetreuungsplätze sind andernorts meistens besser ausgebaut - aber Plankstadt hat den Vorteil einer ÖPNV-Anbindung an Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe. Das ist das Alleinstellungsmerkmal - dieses gilt es auszubauen und zu propagieren. Hierdurch unterscheidet sich Plankstadt von den umliegenden Orten, wie z.B. Oftersheim, Sandhausen, aber auch Brühl und Ketsch. 
Durch eine sehr gute ÖPNV-Anbindung Plankstadts an Heidelberg und Schwetzingen besteht die Möglichkeit hier leer stehende Häuser zu verkaufen oder Wohnungen und Zimmer an Studenten zu vermieten. Attraktiv wäre Plankstadt damit auch für Familien, deren Mitglieder wegen Arbeit oder Studium in unterschiedliche Richtungen fahren müssen.

Neue Ausschreibung der Buslinie zur Verbesserung des Angebotes nutzen

Nach dieser Einführung berichtete Christa Balling-Gündling, Kreisrätin der Grünen und Stadträtin in Eppelheim, über die bestehenden Regelungen zur Bezuschussung von Bus- und Straßenbahnlinien im Kreis: Es gibt 47,1% Defizitabdeckung mit einer 9,64 Mio Euro Deckelung. Sie ermunterte die GLP, jetzt konkrete Vorstellungen zu Bus- und Straßenbahnlinie zu formulieren und einzubringen. Der Vertrag über die Buslinie 713 laufe im Juni 2010 aus und schon bei der neuen Ausschreibung müssten alle gewünschten Änderungen festgehalten sein.
Die Stadt Eppelheim habe auf jahrelanges Drängen der Grünen jetzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben, die die Verlängerung der Buslinie 713 von der Straßenbahn-Endhaltestelle in Eppelheim bis zum Wieblinger Bahnhof mit Anbindung an die dortige S-Bahn untersuchen soll. Aus diesem Grund wird die Buslinie 713 zurzeit neu bewertet.
Außerdem berichtete sie davon, dass im Kreis die Verlängerung der Straßenbahnlinie 22 nach Schwetzingen hohe Prioritäten besäße. Landrat Schütz habe klargestellt, das sei die nächste Linie, die hier in Angriff genommen werde.

Nordwestliche Wohngebiete von Plankstadt an die Buslinie anschließen

Der nächste Referent Christoph Ruebeling, Kandidat der Grünen Liste für die Kommunalwahl, stellte sich selbst als ÖPNV-Nutzer vor, der sich mit Verbesserungen an der örtlichen Buslinie 713 beschäftigt hat. Zunächst beschrieb er den gegenwärtigen Stand: Die Buslinie 713 verbindet die Endstelle der Straßenbahnlinie 22 in Eppelheim mit Schwetzingen. Werktags zwischen ca. 6:00 Uhr und 20:00 Uhr besteht durchgehend ein 20 Minuten Takt. In den Abendstunden und an Sonntagen verlängern sich die Taktzeiten auf bis zu 60 Minuten. In Plankstadt halten die Busse an drei Haltestellen: Ladenburgerstraße, Rathaus und Altenheim.
Durch Änderung der Fahrstrecke ab der Haltestelle Altenheim über Schubert- und Jahnstraße und Weiterfahrt über die Neubaustrecke der B 535 nach Schwetzingen, könnten neue Haltestellen an der Humboldtschule und im Bereich der Mehrzweckhalle eingerichtet werden. 
Durch die Anbindung der nordwestlichen Wohngebiete und des Gewerbegebietes würde sich die Fahrzeit für Durchreisende um nur 6 Minuten je Fahrtrichtung verlängern und für Plankstadt eine wesentliche Verbesserung im ÖPNV ergeben.
Auch er wies daraufhin, dass 47 % des Defizits für den laufenden Betrieb einer Buslinie der Rhein-Neckar-Kreis trägt. Verkehrsplaner haben den verbleibenden Mehraufwand für die Gemeinde durch die verbesserte Linienführung auf ca. 50.000 Euro im Jahr abgeschätzt. Das ist nur die Hälfte dessen, was die inzwischen eingestellte Plankstädter Ortsbuslinie die Gemeinde gekostet hat.

Etappenweiser Ausbau und alternative Strecken für Straßenbahn entwickeln

Erwin Leuthe, Stadtplaner und von SPD und GLP unterstützter Bürgermeisterkandidat im letzten Jahr, freute sich wieder in Plankstadt zu sein und einige vertraute Gesichter wieder zu sehen. Er begrüßte, dass Bewegung in die öffentliche Diskussion um den ÖPNV gekommen sei. Als Baubürgermeister von Wiesloch habe er für Wiesloch und in Zusammenarbeit mit Walldorf mehrere Buslinien initiiert und dabei einige Erfahrung mit Ausschreibungen und Linienbündelung gesammelt. 
Plankstadt bezeichnete er als weißen Fleck auf dem Liniennetzplan des VRN und kaum erschlossen. Schon allein durch die vorgeschlagene Busschleife könnte ein weiteres Drittel der Plankstädter Bevölkerung erreicht werden. Ortsbuse sind eine schlechte Alternative, da das Umsteigen beschwerlich und für viele Menschen ein Hinderungsgrund ist, den ÖPNV zu nutzen, wie viele Statistiken zeigen. Deshalb sollte das Fernziel die Verlängerung der Straßenbahnlinie 22 nicht aus dem Auge verloren werden. Eine Verlängerung der Straßenbahnlinie mit einem Parkplatz und vielen Fahrradabstellplätzen am Ortsrand könnte die erste Etappe sein.
Bei der weiteren Linienführung gäbe es mehrere Varianten. Die bei der Machbarkeitsstudie von 2000 favorisierte Strecke durch Plankstadt und Schwetzingen mit der Endhaltestelle am Schloss würde die meisten Menschen erreichen und verspricht die meisten Nutzer. Vorstellbar wäre bei dieser Variante aber auch ein Abzweigen in den Schwetzinger Bahnhof.
Als weitere Variante wäre eine Streckenführung entlang der Ostumfahrung und südlich an Plankstadt entlang denkbar, um anschließend auch im Schwetzinger Bahnhof zu enden. Hierzu fehlen aber zurzeit detaillierte Untersuchungen.

Forderungen für die Ausschreibung formuliert

Die anschließende angeregte Diskussion drehte sich vorrangig um die Streckenführung der Buslinie 713, da hier die Zeit drängt und Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen. Erwin Leuthe empfahl einen einjährigen Probelauf vor der neuen Ausschreibung, um den Anbietern konkrete Kundenzahlen liefern zu können. Referenten und Gäste konnten gemeinsam einige Forderungen für die neue Ausschreibung der Buslinie 713 formulieren:

  1. Einrichten einer neuen Haltestelle bei den Neubaugebieten am östlichen Ortsrand
  2. Änderung der Streckenführung wie oben beschrieben mit Haltestellen bei der Humboldtschule, der Mehrzweckhalle und einer Haltestelle beim Gewerbegebiet (zum Einkaufen, für die Beschäftigten und für das Jugendzentrum)
  3. Höhere Vertaktung (10-min Takt) in den Hauptverkehrszeiten
  4. Wechsel von Tag- zum Nachttakt weiter in die Abendstunden verschieben, da bei verlängerten Öffnungszeiten der Geschäfte ein Taktwechsel um 19.30 Uhr nicht mehr zeitgemäß ist und nachweislich der Freizeitverkehr an Bedeutung zunimmt.
  5. Bei der verlängerten Streckenführung der Buslinie durch Eppelheim bis zum Wieblinger Bahnhof sollte auch eine Schleife zu den Schulen oder in deren Nähe untersucht werden.
  6. Einführung einer Preiszone 0 (zzt. 1,40 Euro) für Fahrten innerhalb Plankstadts
  7. Erreichbarkeit per Funk, so dass ein Abstimmen zwischen Bus- und Straßenbahnfahrer möglich ist
  8. Fahrkartenverkaufsstelle in Plankstadt einrichten

Als Resümee dieser Veranstaltung kann festhalten werden, vieles wurde in der Vergangenheit versäumt. Jetzt gilt es Überlegungen anzustellen und so schnell als möglich zu handeln. Gemeinderat und Bürgermeister Plankstadts müssen aufgefordert werden, umgehend die verkehrliche Erschließung der nordwestlichen Wohngebiete durch entsprechende Anträge in die Wege zu leiten.
sch

FacebookTwitterGoogle Bookmarks