Investor verlangt freie Hand für seine Kahlschlagpläne

Passend zum gruseligen Halloween befasste sich die Montagsrunde der Grünen Liste Plankstadt (GLP) im Gasthaus "Engel" mit den gruseligen Plänen eines Investors, die denkmalgeschützte Häuserzeile Schwetzinger Straße 19 bis 23 abzureißen, um dort einen Lebensmittelmarkt zu errichten.

Zu Beginn gab Gemeinderat Ulf-Udo Hohl anhand einer Postkarte des früheren Gasthauses "Adler" einen Rückblick auf die Historie des Gebäudes und seiner Funktion in der Gemeinde.

Postkarte Adler

Postkarte mit signifikanten Teilansichten des früheren Gasthauses "Adler" gedruckt zwischen 1910 und 1927

Das Gasthaus Adler, das sich 1838 etablierte, ist eines der ältesten Gasthäuser der Gemeinde Plankstadt. Der Name wurde mehrfach variiert. Aus dem "Schwarzen Adler" von 1838 wurde 1887 die Gaststätte zum "Goldenen Adler". Die Erlaubnis eine dritte Wirtschaft in Plankstadt zu eröffnen war an die Person des Wirts gebunden, der seinen Betrieb mit den Worten: "Es ist nicht nur gut gelegen, sondern birgt auch alles erforderliche einer Wirtschaft in sich und was an Bequemlichkeit und Eleganz noch abgehen sollte, bin ich bereit nachzuholen."

Adler-Wirt Hermann Treiber löste 1908 dieses Versprechen ein und ließ den "Saal mit Bühne und Klavier" erbauen. In der Folgezeit wurde der Adler immer mehr zu einem Zentrum des gesellschaftlichen und kulturellen Lebens der Gemeinde Plankstadt.

So heißt es in der Plankstadter Zeitung vom 8.6.1933 anlässlich des Ablebens der Adlerwirtin Magdalena Treiber in einer Todesanzeige des Gesangvereins Liedertafel, dass "unsere langjährige gute Lokalwirtin" verstorben und es "Ehrenpflicht eines jeden Mitglieds und Sängers sei ... unserer verstorbenen Lokalwirtin das letzte Geleit zu geben."

Mit den Worten "der Adler und sein Umfeld können nicht auf den Status einer spekulativen Immobilie reduziert werden“ zog Hohl sein Fazit. Vielmehr sah er die einmalige und letzte Gelegenheit architektonische Identitätsangebote für die Bevölkerung zu schaffen, indem baulich verbindende Traditionen mit Erfordernissen der Gegenwart verknüpft werden.

Vorstandsmitglied Stefan Klein erläuterte danach die aktuellen Absichten von Verwaltung und Investor. Der Investor plant den Adler und das ebenfalls denkmalgeschützte Haus Schwetzinger Straße 23 (ehem. Schmiede Mack) vollständig abzureißen, um einen Einkaufsmarkt zu errichten, der die Ortsmitte optisch weiter abwertet und den historischen Ortsgrundriss zerstört.

Die Denkmalpflege, die beim Regierungspräsidium angesiedelt ist, habe erhebliche Bedenken gegen den Abbruch der beiden Kulturdenkmäler. Die Grüne Liste Plankstadt (GLP) lehne diesen geplanten Abriss entschieden ab. Eine heimat- und kulturgeschichtliche Stätte solle ausgelöscht und einem profanen Lebensmittelmarkt von der Stange weichen. Die GLP fordert stattdessen, aufgeschlossene Investoren die Tradition und moderne Erfordernisse in Einklang zu bringen. Anzustreben sei ein Einkaufsmarkt, der den Plankstädter Bedürfnissen genügt, ohne alles bedenkenlos dem Erdboden gleichzumachen.

ho

Pressebericht der GLP vom 2.11.2011

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