GLP und NABU begrüßen viele Gäste beim Zeitzeloch-Fest / Hoffnung auf erfolgreiche Klage

Plankstadt. Fledermaus-Exkursion, Öko-Rallye, viele informative Gespräche - schon fast traditionell stand am vergangenen Samstag wieder das Zeitzeloch-Fest auf dem Terminkalender der Grünen Liste Plankstadt (GLP) und des Naturschutzbundes (NABU) Schwetzingen. Wie in den vergangenen Jahren haben die Gegner der geplanten vierspurigen B 535, die eine Verbindung zwischen den Autobahnen A 5 und A 6 darstellen soll und deren Trassenführung mitten durch das Zeitzeloch führt, mobil gemacht. Zahlreiche Interessierte, direkt und indirekt Betroffene kamen zum Spielplatz in der Paul-Bönner-Straße, um sich bei hochsommerlichen Temperaturen bei Bio-Würstchen und anderen Grillspezialitäten über den neuesten Sachstand zu informieren.

Zur Erinnerung: Seit nunmehr 40 Jahren beschäftigt die Umgehungsstraße Parlamente, Gemeinderäte, Bürger und die Gerichte, denn fast auf den Tag genau vor einem Jahr, am 15. Juli 2002, haben Anwohner und die GLP zusammen mit dem NABU vor dem Verwaltungsgerichtshof Mannheim Klage eingereicht. "Wir haben Anlass zur Hoffnung, dass es zu einer Verhandlung noch in diesem Jahr kommt", ist Ulf-Udo Hohl, Mitinitiator des Festes und GLP-Gemeinderat optimistisch, dass es zumindest eine weitere Verzögerung geben könnte. Ein möglicher Baustopp - über einen bereits begonnenen Bau gehen die Meinungen auseinander - würde dann ein neues Planfeststellungsverfahren notwendig machen. "Vielleicht würden die verantwortlichen Richter, den Unsinn einer solchen Umgehungsstraße, die vor 40 Jahren geplant wurde, dann erkennen", so Hohl.

Insgesamt warnen GLP und NABU unisono vor dem Bau der Straße. Die Zerstörung des Zeitzeloches stehe dabei nur stellvertretend für eine großflächige Natur- und Landschaftszerstörung durch diese Straße, heißt es in einer Info-Broschüre des NABU. Insgesamt würden mehr als 72 Hektar Fläche durch die B 535 verbaut werden. Hunderte Meter Hecken, dutzende Bäume und wertvolle Sandrasen sollen unter Asphalt begraben werden. Mit dem Bau der Straße erhoffen sich die Befürworter bessere Zubringermöglichkeiten in die Gewerbegebiete in Schwetzingen und eine Verkehrsentlastung für die Schwetzinger Innenstadt.

Zurück zum Fest, das eigentlich einer kleinen Demonstration gleichkam. Immerhin wollen die Verantwortlichen mit dieser Veranstaltung den Betroffenen immer wieder ins Gedächtnis rufen, was sie verlieren würden, wenn die B 535 tatsächlich kommen wird.

Nicht nur Plankstadts "beliebtester Spielplatz" (Hohl) wäre dann nicht mehr, das gesamte 2,3 Hektar große Biotop, das sich durch fehlende menschliche Nutzung seine reichhaltige Natur zurückerobert hat, würde vernichtet. Nachtigallen und Schmetterlinge müssten sich einen anderen Lebensraum suchen und auch für die zahlreichen unterschiedlichen Pflanzen, die den ökologischen Reiz des Zeitzeloches ausmachen, käme das Aus. Angesichts dieser Tatsache findet es Ulf-Udo Hohl gerade zu ein Hohn, dass die CDU-Fraktion vor wenigen Wochen extra eine Tischtennisplatte finanziert und auf dem Areal des Spielplatzes aufgestellt hat. "Die CDU ist für den vierspurigen Ausbau der B 535. Wenn es so weit ist, muss die Platte wieder weg. Das Ganze ist doch nichts als ein PR-Gag vor der Kommunalwahl 2004", nutzt Hohl die Gunst der Stunde und greift in seiner ausführlichen Rede seine Parteigegner im Gemeinderat an. "Da komme ich schon ins Grübeln."

Nichtsdestotrotz ließen sich alle Beteiligten auch aufgrund der drohenden, möglicherweise bald anrollenden Bagger die Stimmung nicht verderben und zeigten sich kampfeslustig. Immerhin, und davon ist Hohl überzeugt, "hätten wir nicht immer wieder gegen die B 535 Widerstand geleistet, wäre sie heute schon da. Und das macht uns schon ein wenig stolz. Wir sind bereit weiter zu kämpfen." Die Zeitzeloch-Feste könnte es also durchaus noch ein paar Jahre geben.

mc, Schwetzinger Zeitung, 21.07.2003

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