Zeitzeloch-Fest gegen Bau der B 535

Graue Wolken am Morgen versprachen nichts Gutes, doch ein warmer und kräftiger Sommerwind sorgte für Bewegung in der Wolkenfront. Abgesehen von einem kleinen Schauer am frühen Nachmittag animierte die angenehme Temperatur zahlreiche Besucher beim Zeitzeloch-Fest zu verweilen, sich zu informieren oder an einer der Exkursionen teilzunehmen. Die Informationsstände von Grüner Liste Plankstadt ( GLP ) und NABU Schwetzingen, der gut bestückte Verkaufsstand, Sitzgelegenheiten und ein Zelt hatten den Spielplatz vor dem Biotop Zeitzeloch in ein harmonisches Festgelände verwandelt.

Rede gehalten von Ulf-Udo Hohl

In seiner Festansprache begrüßte Gemeinderat Ulf-Udo Hohl (GLP) im Namen der GLP und des NABU die zahlreichen Besucher, insbesondere Adolf Härdle, Vorstandsmitglied des KV Hardt der Grünen und Stadtrat in Hockenheim, Andre Baumann den örtlichen Vorsitzenden des NABU und Vorsitzender des NABU des Bezirksverbandes Rhein-Neckar-Odenwald, sowie Alfons Buchtela, Geschäftsführer des BUND Regionalverbandes Unterer Neckar.

Die politische Rede
Hohl stellte fest , daß das diesjährige Fest über den eigentlichen Anlaß, nämlich über den Widerstand gegen die B 535 zu informieren, hinausgehe. Die beabsichtigte Betonierung der Gänsweid mit einem unsinnigen Abwasserrückhaltebecken habe dort das traditionelle Fest der GLP verhindert. Ein geplantes Wasserturm Fest sei durch die Verwaltung untersagt worden.
Die Abhaltung des Zeitzeloch-Festes bedeutet, daß das Wahnsinnsprojekt B 535 noch nicht verwirklicht wurde", stellte Hohl zufrieden fest. Seit nahezu 10 Jahren werde mit dem Fest daran erinnert, daß einem dicht besiedelten Gebiet der Region das vierspurige Asphalt- und Betonmonster bisher erspart geblieben ist.
Hohl erinnerte daran, daß die Realisierung der B 535 zuerst an den politischen und juristischen Auseinandersetzungen gescheitert sei. Jetzt verhindere der " Finanzstau" in der Kasse des Bundes den Baubeginn. Mit dem Regierungswechsel 1998 sei keine Wende in der Verkehrspolitik gekommen. Die Regierung Schröder sei davon noch meilenweit entfernt. Eine Delegation des Widerstandes gegen die B 535 habe bei einem Besuch im Verkehrsministerium vom zuständigen Staatssekretär Hilsberg erfahren, daß der alte Bundesverkehrswegeplan abgearbeitet und bis zum Ende der Legislaturperiode kein neuer mehr aufgelegt werde.
Die B 535 verbleibe im "niederprioritären Bereich" des Investitionsprogramms, so daß ein Baubeginn vor der Bundestagswahl 2002 unwahrscheinlich werde.

Kritik an MdB Binding und Bgm. Huckele
Kritisch setzte sich Hohl mit dem Verhalten von Lothar Binding, MdB, und Bürgermeister Huckele auseinander. Dem SPD Bundestagsabgeordneten warf Hohl vor, sich 1998 noch dahingehend geäußert zu haben, daß durch das Gebiet des Zeitzelochs nie eine Strasse hätte geplant werden dürfen. Nun lasse er sich völlig einseitig als Promotor der Interessen der Strassenlobby einspannen. Gleiches gelte für Bürgermeister Huckele, auf dessen Initiative noch 1992 gegen den Bau der B 535 geklagt wurde, der sich jetzt aber, wie sein gemeinsamer Besuch mit OB Kappenstein im Verkehrsministerium in Berlin gezeigt habe, zum Erfüllungsgehilfen hochgeschraubter Schwetzinger Lokalinteressen degradieren lasse. Es könne nicht angehen, daß sich Huckele auch jetzt noch als Gegner der B 535 oute, um dann im gleichen Atemzug der staunenden Öffentlichkeit deren Vorzüge bei der Schaffung von mehr Parkraum in der Schwetzinger und Eppelheimer Straße hervorzuheben. Stattdessen sei gemarkungsübergreifend bekannt, daß die Verkehrsprobleme Schwetzingens auf Plankstädter Gemarkung abgeladen würden. Die Vorteile für Plankstadt seien gering, die Nachteile massiv und tiefgreifend. " Wir hören bei bestimmten Wetterlagen nicht nur den mörderischen Lärm des Motodroms, der durch den Ausbau noch zunehmen wird, sondern die Geräusche der Bahn, den Fluglärm aus Richtung Pfaffengrund und jüngst vermehrt die Geräusche der Klamaukveranstaltungen in Schwetzingen" faßte Hohl den Lärmmix zusammen. Eine B 535 würde das Faß zum Überlaufen bringen.
In den Gesprächen, die er und andere Vertreter des Widerstands im Verkehrsministerium geführt hätten, sei klar geworden, daß trotz aller Planfeststellung und Urteile deutscher Gerichte die B 535 bei einem entschiedenen Nein von Plankstädter Bürgermeister und Gemeinderat wegen der knappen Mittel nicht gebaut würde. Die von Binding in die Welt gesetzte Zweispurigkeit sei dagegen kein Thema in Berlin gewesen. Die B 535 werde vierspurig oder gar nicht gebaut. Alles andere seinen großspurige Beruhigungstabletten, welche die Gegner der B 535 schwächen sollten.
Hohl riet seinen Zuhörern Druck auf die kommunalen Parlamente zu machen, und diese zu veranlassen den Druck weiterzugeben.

Gut besuchte Veranstaltung

Doch bei aller Skepsis und aller Anklage "wir haben den politischen Willen" rief Hohl aus "die B 535 zu verhindern". Er verwies dabei auf den Stumpf der gefällten Pappel hinter ihm, die inzwischen wieder kräftig austreibe und die er als schönes Symbol der Hoffnung bezeichnete. Mit dem Aufruf alles gegen die B 535 in Bewegung zu setzen und die Bundestagswahl 2002 dabei zu nutzen, schloß Hohl seine mit viel Beifall bedachte Rede.

Angebot ökologischer Produkte
Eingangs seiner Rede hatte Hohl auf das reichhaltige Grillangebot verwiesen. Vom GLP und NABU Team hervorragend zubereitet waren Steaks, Würstchen und Schafskäse aus ökologischem Anbau im Angebot und fanden großen Zuspruch. "Wir haben uns schon immer für den ökologischen Landbau eingesetzt . Die BSE Krise hat die Richtigkeit dieser Forderung unterstrichen" befand Hohl. Solidaritätskaffee und Bio Apfelsaft aus Streuobstwiesen rundeten das ökologische Angebot ab. Zahlreich und einfallsreich waren die selbstgebackenen Kuchen und Salate, die gespendet wurden. Der Naturkostladen Pusch in Schwetzingen hat mit einer großzügigen Spende dazu beigetragen, daß der Erlös am Ende alle Erwartungen übertraf. Dem NABU kann eine ansehnliche Spende übergeben werden kann.

Exkursionen
"So viele Exkursionsteilnehmer sind noch bei keinem Zeitzeloch-Fest mitgekommen" freute sich Andre Baumann ( NABU) bei der Nachmittagsexkursion durch Plankstadts größte und wichtigste grüne Lunge. Doch die Besucherzahlen wurden bei der 
Abendexkursion noch übertroffen. Über 40 Teilnehmer kamen, um die Fledermäuse des Zeitzelochs zu beobachten. Alle Teilnehmer waren sich einig daß die schöne Naturoase zwischen Schwetzingen und Plankstadt erhalten werden muß.

Folk Music mit Pat und Werner

Ausklang
Bereits am Nachmittag hatten Pat und Werner mit ihrem Irish Folk das Publikum für sich gewonnen. Bis in den späten Abend hinein zeigten sie sich mit dem Anliegen der B 535 Gegner solidarisch und ernteten für ihren authentischen Folk viel Beifall.
Während die nächtliche Fledermaus Exkursion noch durch das Zeitzeloch streifte, setzte langsam Regen ein, welcher der guten Stimmung der Festteilnehmer jedoch keinen Abbruch tat. In dem behaglichen Zelt und unter wetterfesten Schirmen ließen diverse Grüppchen den Abend ausklingen, während fleißige Helfer den Spielplatz wieder in seinen ursprünglichen Zustand versetzten.

uhl

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