Brisantes Thema auf GLP-Veranstaltung diskutiert

Ende Mai fand im Gasthof "Engel" eine von der Grünen Liste Plankstadt ( GLP ) ausgerichtete Veranstaltung zum Thema "Ladensterben in Plankstadt" statt. Gemeinderat Ulf-Udo Hohl begrüßte Anton Kobel, Geschäftsführer der Gewerkschaft Handel, Banken und Versicherungen ( HBV ), Bezirksverwaltung Mannheim / Heidelberg, die anwesenden Vertreter des Handwerker- und Gewerbevereins Plankstadt sowie die zahlreichen Gäste, darunter eine Abordnung des Altenheims Sankta Maria.

Ladensterben

In seinen einleitenden Worten verwies Hohl daraufhin, daß sich durch die erfolgte Schließung des LIDL Markts in der Schwetzingerstrasse und die sehr wahrscheinliche des Penny Markts gegenüber dem Areal Mack, die Einkaufsmöglichkeiten gerade für ältere Menschen drastisch verringert würden. Ein neuer Penny Markt im neuen Gewerbegebiet sei dafür kein Ersatz. Hohl sprach besonders auch die Probleme der kleineren Ladengeschäfte und die angespannte Lage der Gaststätten an. Diese Vorgänge bezeichnete er keineswegs als ein spezifisch Plankstädter Problem, sondern dieser Prozess vollziehe sich in gleicher Weise in vielen anderen Kommunen unseres Landes. In letzter Zeit allerdings in einem verschärften Tempo. Als Beispiele, wie das Ladensterben auch anderenorts um sich greift, erwähnte er die Orte Gaiberg und Wieblingen, wo jeweils die letzte eigenständige Metzgerei geschlossen werde.
Am Ende seiner Ausführungen stellte er die Frage, durch welche Maßnahmen Kaufkraft am Ort gebunden und welche Initiativen der Gemeinde dies unterstützen könnten.

Anton Kobel knüpfte daran an und erläutere die Ursachen, die zum Ladensterben geführt haben. Das derzeitige Ladensterben ordnete er der vierten Welle zu. Die erste begann bereits vor über 30 Jahren, als regionale Grossisten einzelne Ladengeschäfte übernahmen. In den weiteren Wellen erschienen dann die überregionalen und nationalen Großhändler. Inzwischen aggieren diese Konzerne weltweit. Als Beispiel nannte er den US Handelsriesen Wal-Mart Stores mit einen Jahresumsatz von 310 Milliarden Mark, der sich in Deutschland engagiert habe. Im Vergleich hierzu bringe es der METRO Konzern auf "nur" 88 Milliarden.

Durch die größer werdenden Konzerne wird der Konkurrenzdruck auf die Einzelhändler vor Ort immer größer, da die "Global Player" sich höhere Ladenmieten leisten können. Dies ist unter anderem durch die besseren Einkaufsbedingungen, z.B. durch riesige Abnahmemengen, zu erklären. Weiterhin können diese Konzerne gegen kleinere Läden einen Preiskrieg führen, in dem auch anfängliche Verluste mit einkalkuliert werden.

Da die Konzerne eigentlich nur noch Ladengeschäfte mit mehr als 800 qm eröffnen, geschieht dies meist auf der "grünen Wiese". Um dem Konkurrenten Kunden abzuwerben, wird versucht in der Nähe einen eigenen Laden zu eröffnen. Als Beispiel aus der Umgebung wurde der LIDL Markt aufgeführt, der seine neue Filiale neben ALDI eröffnet hat. Als Folge wurden der LIDL in Plankstadt und in der Ortsmitte von Schwetzingen geschlossen.

Durch die Ansiedlung der großen Ketten auf der grünen Wiese, das große Parkplatzangebot und die verlängerten Öffnungszeiten wird das Einkaufen außerhalb des Ortes erleichtert.

Die Einzelhändler am Ort können von dem beim Großeinkauf "vergessenen Bedarf" nicht überleben und müssen schließen, führte Anton Kobel aus. Diese Spirale setzt sich solange fort, bis sich am Ort kein Geschäft mehr halten kann. Der Ort entwickelt sich zur reinen Schlafstadt.
Diejenigen, die besonders unter dieser Entwicklung leiden, sind älteren Menschen, Behinderte und solche, die sich kein Auto leisten können oder wollen. Hierbei handelt es sich immerhin um über 40 Prozent der Bevölkerung.

Nach diesen Ausführungen wurde die Frage angesprochen, mit welchen Mitteln die ortsansässigen Geschäfte gehalten und neue hinzugewonnen werden können. Den Einwurf aus dem Publikum, daß Einkaufen immer mehr mit Freizeitgestaltung kombiniert werde, griff GR Hohl auf. Er forderte die Attraktivität des Ortszentrums zu erhöhen, indem durch gastronomische und kulturelle Angebot im Ortskern ein Anziehungspotential zum Verweilen und Einkaufen geschaffen werde.

Anton Kobel wies zunächst auf praktischen Möglichkeiten hin, die der Gemeinde und dem Handwerker- und Gewerbeverein zur Verfügung stünden, um auf die Geschäfte vor Ort aufmerksam zu machen. Der Stadtplan könnte neben den öffentlichen Einrichtungen auch die Einkaufsmöglichkeiten im Ort aufzeigen. Für Neuzugezogene, ca. 30 Prozent der Bevölkerung Plankstadts innerhalb von fünf Jahren, könnte ein Einkaufsführer herausgegeben werden. Regelmäßige Vorstellung der Einzelhändler von Plankstadt im Gemeindemitteilungsblatt sollten diese PR ergänzen.
Eine angemessene finanzielle Subventionierung des Einzelhandels durch die Gemeinde lasse sich rechtfertigen, da nicht nur Sportvereine gemeinschaftlich zu unterstützen sind, sondern auch die Versorgung der Bevölkerung mit Waren des täglichen Bedarfs eine öffentliche Aufgabe darstelle.

Nach seiner Vorstellung könnten Ladenmieten, Nebenkosten und Arbeitskräfte von der Gemeinde subventioniert werden, z.B. für Geschäfte im neuen Gebäude auf dem Mack`schen Anwesen könnten öffentliche Gelder mobilisiert werden. Zur Versorgung der Bevölkerung werden in anderen Orten bereits subventionierte Geschäfte als Selbsthilfeeinrichtungen betrieben. Als Beispiel nannte er eine genossenschaftliche Einrichtung, die eine Gebrauchtwarenbörse, einen Reparaturservice und landwirtschaftliche Produkte der Region anbiete.

Als Resümee des Abends hielt Gemeinderat Ulf-Udo Hohl fest, daß Gemeindeverwaltung und der Handwerker- und Gewerbeverein gemeinsam eine Strategie entwickeln müssen, um dem Ladensterben in Plankstadt entgegenzuwirken. Hierzu sei zunächst eine Bestandsaufnahme und Bedarfsanalyse notwendig.

Die lebhafte und von allen Seiten sehr ernsthaft geführte Diskussion zeigte, daß der Einzelhandel in Plankstadt kurzfristig durch verbesserte Serviceleistungen und flexible Öffnungszeiten über die Mittagszeit zwar für ausbau- und gestaltungsfähig gehalten wird, aber die Situation von Kunden und Gewerbetreibenden als bedrohlich empfunden wird.

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