Beim letzten Treffen der Grünen Liste Plankstadt (GLP) stellten Viviane Reize und Sigrid Schüller die vielfältigen Aktionen zur Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren vor - von Ausstellungen, Filmen und Vorträge. Das Ministerium für Soziales und Integration, die Landeszentrale für politische Bildung, der Landesfrauenrat und der Verein Frauen & Geschichte wollen im Jahr 2019 auf dieses bedeutende Jubiläum aufmerksam machen.

Viviane Reize gab einen kurzen Abriss über die ersten Wahlen in Deutschland mit Beteiligung der Frauen.

Am 9. Nov. 1918 wird die Weimarer Republik ausgerufen. Das „Gesetz über die Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung“, verabschiedet am 12. Nov. gewährt allen Bürgerinnen ab 20 Jahren das aktive und passive Wahlrecht.

Die erste Wahl mit Beteiligung der Frauen findet in Baden am 5. Jan. und in Württemberg am 12. Jan. 1919 statt. Als erste Frau spricht Marianne Weber (DDP), die Heidelberger Politikerin, Frauenrechtlerin und Ehefrau des Soziologen Max Weber, bei der konstituierenden Sitzung in Karlsruhe am 15. Jan. 1919.:

"Wir Frauen können nur unserer hohen Freude und Befriedigung darüber Ausdruck geben, dass wir zu dieser Aufgabe mitberufen sind, und ich glaube, sagen zu dürfen, dass wir besser für sie vorbereitet sind, als vielleicht die meisten von Ihnen glauben."

Am 19. Jan 1919 finden die ersten reichsweiten Wahlen zur verfassungsgebenden Nationalversammlung statt. Die Wahlbeteiligung der Frauen liegt bei fast 90%. Von den gewählten Abgeordneten sind knapp 10% weiblich.

Sigrid Schüller ergänzte, dass Frauen das passive Wahlrecht (sich wählen zu lassen) 1933 nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten wieder verlieren. Die Studiermöglichkeiten für Frauen werden eingeschränkt und Beamtinnen mit Führungsfunktion aus dem Staatsdienst entlassen. Erst 1949 wird die Gleichberechtigung auch im Grundgesetz verankert.

In der anschließenden Diskussion stellte die GLP fest, dass sich das Zahlenverhältnis von Männern und Frauen in den Parlamenten über die Jahre hinweg verbessert hat. Im aktuellen Landtag von BW sind Frauen mit einem Anteil von 24,5% der Abgeordneten aber immer noch deutlich unterpräsentiert. Ähnlich wenig Frauen gibt es im aktuellen Bundestag (31%), wobei hier der Frauenanteil bei den Grünen bei 58% der Abgeordneten liegt.

Das Motto der Jubiläumskampagne „100 Jahre Frauenwahlrecht“ lautet deshalb auch „Frauen wählen, Frauen zählen!“

Sigrid Schüller

 

Weitere Infos unter www.frauenwahlrecht-bw.de

Grafik: freie Nutzung für alle Berichte zum Frauenwahlrecht

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