Eine gut besuchte Veranstaltung der Grünen Liste Plankstadt (GLP), die unter dem Motto "Ökologische Landwirtschaft - Chance für Landwirte und Verbraucher" stand, fand am 4.03.98 im "Stübchen" des Gasthauses "Adler" statt.

Gemeinderat Ulf-Udo Hohl (GLP) begrüßte als Versammlungsleiter die Gäste sowie die Referenten des Abends: Andrea Dobler, Wolfgang Zahn, Heime Linse und Dirk Agena. Ziel des Abends war es zu klären, welchen Nutzen und welche Vorteile der ökologische Landbau für den Erzeuger, den Verbraucher und die Natur bringe.

Hohl wies daraufhin, daß die GLP sich seit ihrer Gründung konkret mit den Problemen der Landwirtschaft vor Ort beschäftigt habe und auf ihre Initiative hin die Einrichtung einer Landwirtschaftskommission auf den Weg gebracht wurde.

Umstellung auf Bio-Betrieb

Landwirtschaftsmeister Wolfgang Zahn, der einen "Bioland"-Betrieb in Hockenheim führt, stellte die Entwicklung seines Hofes von einem kleinen Aussiedlerhof in der Seewaldsiedlung über einen erweiterten 50 Hektar Betrieb mit intensiver Milchwirtschaft und Mastviehhaltung hin zu einem nach den Richtlinien des "Bioland"-Verbandes geführten Hofes dar.

Wolfgang Zahn räumte in seinem Beitrag ein, daß er als konventioneller Landwirt eine intensive Landwirtschaft betrieben habe, bis er irgendwann keine Lust mehr verspürte sich weiter "zum Sklaven der Pflanzenschutzspritze und des Mineraldüngers zu machen".

Sein Entschluß, sich dem ökologischen Landbau zuzuwenden, wurde erleichtert durch fundierte betriebswirtschaftliche Berechnungen, die ergaben, daß er seinen Hof auch durch biologisches Wirtschaften über Wasser halten konnte. So trat er 1996 dem "Bioland"-Verband bei, dessen Ziele es sind Lebensmittel mit hohem gesundheitlichem Wert zu erzeugen - bei gleichzeitiger Pflege der natürlichen Lebensgrundlagen. Konkret heißt dies: gänzlicher Verzicht auf chemische und synthetischen Pflanzenschutz und Düngemittel, artgerechte Nutztierhaltung in Maßen, statt in Massen sowie aktiver Natur- und Artenschutz.

Einen Rat für diejenigen Landwirte, die sich mit dem Gedanken tragen, ihren Betrieb auf ökologischen Landbau umzustellen, hatte Zahn auch parat: "Wer davon überzeugt ist, soll es tun, wer aber meint, damit mehr Geld zu verdienen, sollte die Finger davon lassen, da er scheitern wird." 

Pionier des Ökoanbaus

Heimo Linse "Demeter"-Landwirt und Grüner Kreisrat des Rhein-Neckar-Kreises, ist einer der Pioniere des ökologischen Landbaus in der Region. Seit 20 Jahren betreibt er biologisch-dynamische Landwirtschaft in Angelbachtal-Michelfeld im Kraichgau. Linse bewirtschaftet einen Hof mit 85 Hektar Fläche, 19 Milchkühen und 17 Mutterkühen. Der "Linse-Hof" ist einer von zehn Mitgliedsbetrieben der "Erzeugergemeinschaft Kraichgau", die auf unterschiedlichen Flächengrößen nach den "Demeter"-Regeln alles produzieren, was im Kraichgau wächst.

Die Vermarktung erfolgt über 20 Wochenmärkte in der Region zwischen Heidelberg, Eberbach und Bretten, den BIO-Großhandel und über ein Gemüsekisten-Abonnement, das den Verbraucher direkt beliefert. Getreide wird über die Demeter-Vertragsmühlen abgesetzt.

Die Risiken bei der Umstellung auf ökologischen Landbau hält Linse für kalkulierbar: "Eine Herausforderung sei es jedoch, daß Anbau und Vermarktung parallel erfolgen müssen. Problematischer ist für Heimo Linse der Preisverfall in der Landwirtschaft. Zum Beispiel hat der Preis von DM 22,50 pro 100 Kilo konventioneller Weizen den Preis für die entsprechende Menge Bio-Weizen auf DM 65,- absinken lassen.

Linse hob hervor, daß ökologisches Wirtschaften entscheidend die Umwelt entlaste, indem keine Pflanzenschutzmittel und Sonderabfälle Boden und Luft verseuchten, eine erhebliche Einschränkung der Kohlendioxid-Belastung erreicht und durch den Wegfall künstlicher Düngemittel der Primärenergieverbrauch zurückgeschraubt werden könne. 

Kommunale Hilfestellung

Diplomgeographin Andrea Dobler von der "Koordinierungsstelle zur Förderung des ökologischen Landbaus der Stadt Heidelberg" sieht die Aufgabe ihrer Dienststelle darin, den ökologischen Landbau zu fördern und Heidelberger Landwirten und Gärtnern dadurch eine langfristige Perspektive zu eröffnen.

Eine Marktstudie des "Bioland" Verbandes habe 1994 ein Absatzpotential im Großverbrauchersegment festgestellt. Während in der konventionellen Landwirtschaft der Markt keine Rolle spiele, bestimmten den ökologischen Landbau weitgehend Angebot und Nachfrage. Sie bemängelte das nicht koordinierte Handeln von Einzelbetrieben und das weitgehende Fehlen von Erzeugergemeinschaften. Die mangelnden Kapazitäten behinderten die Erschließung neuer Absatzwege besonders bei Großverbrauchern. Andererseits müsse festgestellt werden, daß der Markt für Öko-Produkte nur begrenzt aufnahmefähig sei. Der Absatz an den Facheinzelhandel, besonders die Naturkostläden, erfasse nur eine anspruchsvollere Käuferschicht, während der Erschließung des konventionellen Einzelhandels bisher noch nicht gelungen sei. Die besten Wachstumsraten sieht Dobler in der Gemeinschaftsverpflegung und im Trend zu Öko-Fast-Food. 

Frei Haus: Die Abo-Kiste

Dirk Agena, selbständiger Vermarkter von Bio-Produkten, ist auf Wochenmärkten präsent und hat sein "Biokisten"-Abonnement nach ganz kleinen Anfängen auf momentan 340 Kisten wöchentlich ausgeweitet. Über die Kisten können Gemüse, Salate, Obst, Brot, Eier und andere Produkte aus ökologischem Anbau bestellt werden. In enger Zusammenarbeit mit der "Erzeugergemeinschaft Kraichgau" wird die Saisonware in Standardkisten gepackt und energiesparend dem Kunden frei Haus geliefert.

Der Verband der "Biokisten-Vertreiber" liefert inzwischen wöchentlich an die 20 000 Kisten aus. Agena hält sich zugute, daß er einige Arbeitsplätze geschaffen hat, auch wenn diese noch keine festen sind.

Der Abend schloß mit einer sachkundigen Diskussion, an der auch Vertreter der konventionellen Landwirtschaft teilnahmen. Ganz konkret wurden dabei die Idee geboren, einen "Förderverein für den ökologischen Landbau" im Schwetzinger und Hockenheimer Raum zu gründen.

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Beton und Asphalt machen Plankstadt kalt - GLP zieht erstes Resümee zur Ostumfahrung

Auf ihrer montäglichen Sitzung im Gasthaus "Engel" stand der Baubeginn der "Ostumfahrung" im Mittelpunkt der Erörterungen. Gemeinderat Ulf-Udo Hohl vertrat die Auffassung, daß der Naturschutz, die Klägergemeinschaft und die Grüne Liste Plankstadt (GLP) einen beispielhaften Kampf gegen ein unsinniges Strassenprojekt geführt habe. Der Baubeginn bedeute nicht, daß die Argumente gegen die "Ostumfahrung" nicht begründet seien, sondern spiegle die realen Machtverhältnisse wieder. Das martialische Schauspiel mit welchem Landrat Schütz den" Baggerstich" in den Mutterboden durchführte, habe versucht dies der Öffentlichkeit klarzumachen.

Die "Ostumfahrung", die der Gemeinde Plankstadt als Morgengabe für deren Zustimmung zur B535 gebracht wurde, diene neben ihrer Funktion als Zubringer der geplanten B535 gleichzeitig als Erschließungsstraße für neues Baugelände zwischen östlichem Ortsrand und der "Ostumfahrung." Die Formel von der "besseren Lebensqualität" für einige innerörtliche Strassen sei trügerisch, da die Ostumfahrung lediglich eine bessere Abgas- und Lärmdurchmischung auf der Gemarkung herstelle, wovon besonders die nördlichen Wohngebiete betroffen würden.

Vorstandsmitglied Bernd Schmid-Auffarth stellte heraus, daß Planung und Finanzierung des Radüberwegs allein Aufgabe der Gemeinde Plankstadt sei. Der Gemeindeanteil betrage inzwischen DM 150.000. Hinzu kämen Mittel für weitere Querungen und die Kosten für die ökologischen Kompensationen, die der NABU herausgeschlagen habe. Die Rechnung der Gemeinde eine allein mit Landesmitteln finanzierte Erschließungsstrasse zu erhalten gehe nicht auf. Einhellig war man der Meinung, daß diejenigen, die sich für die "Ostumfahrung" und den Bau der L543 neu auf dem alten Bahndamm einsetzen und nachträglich gegen die B535 aufmucken würden unglaubwürdig erscheinen.

uhl

 

Zu einem erneuten Treffen in Sachen "Ostumfahrung Plankstadt" und den damit verbundenen Verkehrsproblemen, kamen Gemeinderäte der Fraktion Bündnis90/Die Grünen aus Eppelheim und der Grünen Liste Plankstadt (GLP) sowie Vertreter des NABU und der Vorstandes der GLP im Gasthaus "Engel" in Plankstadt zusammen.

Im Mittelpunkt des Gedankenaustausches stand einmal mehr der vieldiskutierte Fahrradüberweg von Plankstadt nach Eppelheim. Die Plankstädter Gemeinderäte Wolf und Hohl erläuterten zudem anhand vorgelegter Pläne die vielfachen Planungsmängel bei den Querungspunkten für Fußgänger und Radfahrer an anderer Stelle.

Wie bei der Behandlung eines sicheren Fahrradwegs nach Eppelheim zeige sich auch hier, daß die Ostumfahrung ausschließlich auf den motorisierten Verkehr zugeschnitten sei. Fußgänger, Radfahrer und Benutzer des öffentlichen Nahverkehrs würden als Verkehrsteilnehmer zweiter Klasse behandelt bzw. schlicht vergessen.

Die überzeugende Darlegung der Eppelheimer Fraktionsvorsitzenden von B90/Grüne Christa Balling-Gündling, daß es letztlich die Aufgabe des Rhein-Neckar-Kreises als Bauträger sei, für die Sicherheit der Schulkinder zu sorgen und deshalb die Kosten für die Radwegüber- oder Unterführung vollständig zu tragen, fand allgemeine Zustimmung.

Die offensichtlichen Planungsmängel bei der Ostumfahrung machten nach Ansicht der Anwesenden ein neues Planfeststellungsverfahren oder zumindest ein Planänderungsverfahren notwendig.

Bei den anstehenden Gesprächen mit den Elternbeiräten sollen diese Überlegungen eingebracht werden.

uhl

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