Landwirtschaft zwischen Naturschutz und Wirtschaftlichkeit

Die Grüne Liste Plankstadt (GLP) schloß sich am letzten Wochenende einer Fahrradtour zum Hockenheimer Rheinbogen an, die auf Anregung von Dr. Angelika Köster-Loßack, MdB und Bundestagskandidatin von Bündnis 90 / Die Grünen vom Ortsverband Hockenheim organisiert wurde. Die über 50 Interessierten aus Hockenheim und Umgebung ließen sich trotz widriger Wetterbedingungen die Gelegenheit zur Information über Landwirtschaft und Naturschutz nicht entgehen. Adolf Härdle, Fraktionsvorsitzender von Bündnis 90 / Die Grünen im Hockenheimer Gemeinderat und selbst Agraringeneur, und Uwe Heidenreich vom BUND führten die Teilnehmer und informierten sie ausführlich und anschaulich an dern verschiedenen Stationen.

Zunächst besuchten die Teilnehmer den Mörschhof, der von Ernst Schmitt bewirtschaftet wird. Er begrüßte die Gruppe herzlich und stellte seinen Hof, einen Landwirtschaftsbetrieb mit Milchviehhaltung, vor. Der Name seines Hofes, von "Morsch" hergeleitet, deute bereits an, mit welchen schwierigen Bewirtschaftungsbedingungen er zu kämpfen habe. Der Grundwasserspiegel sei teilweise sehr hoch und der Boden habe einen hohen Humusanteil. Auf diesem moorigen Gelände watscheln jetzt Hunderte von Gänsen. Landwirt Schmitt wies darauf hin, daß der Milchpreis zur Zeit bei 58 Pfennig pro Liter liege und bei weitem für eine wirtschaftliche Milchproduktion nicht ausreiche. Andererseits müsse er für den im Hof stehenden Schlepper über DM 150.000,- aufwenden. Um die Milchquote, den Interventionspreis und die AGENDA 2000 der EU rankte sich dann auch eine kontroverse Diskussion.

Die Renaturierung des "alten Kraichbaches" und der sogenannte "Kunstwiesenanbau" im 19. Jahrhundert konnten sich die Teilnehmer als nächstes anschauen. Durch ein ausgeklügeltes Bewässerungssystem wurde die Ertragsfähigkeit der Wiesen und die Umgebung bewässert und die Ertragsfähigkeit der Wiesen verbessert. Heute befinden sich auf einigen stillgelegten Flächen Streuobstwiesen, die mit in die Biotopvernetzung Hockenheims miteinbezogen werden sollen.

Auch bei der anschließenden Wiesenlandschaft des Hockenheimer Rheinbogens wurde deutlich, welche Nutzungskonflikte zwischen dem Naturschutz, Landwirten und dem Landverbrauch durch Bebauung und Straßenbau in unserer dicht besiedelten Region entstehen.

Die Städte Heidelberg, Mannheim, Schwetzingen und weitere Gemeinden, die sich zu einer "Wasserversorgung Kurpfalz" zusammengeschlossen haben, haben im Rheinbogen Wasserschutzgebiete eingerichtet, die bei Bedarf des Trinkwasser für die Region aus dieser letzten größeren Wasserreserve entnehmen werden. Die dort ansässigen Landwirte wurden gezwungen, ihre Wiesen nur noch extensiv zu nutzen.

Besonders die Plankstadter Teilnehmer freuten sich dann, den Bioland Zahn in der Seewaldsiedlung wieder zu besuchen. Landwirtschaftsmeister Wolfgang Zahn führte durch seinen nach ökologisch-dynamischen Prinzipien wirtschaftenden Betrieb. Nach seinen praktischen Erfahrungen sei es möglich, ohne Einsatz von Chemie Ackerbau zu betreiben. Unkrautbekämpfung betreibt es mechanisch mit dem Hackstriegel. Neben Gerste, Weizen, Sonnenblumen und Sojabohnen baut er Speisekartoffeln und zusätzlich eine kleine Fläche mit Gemüse an, die er in seinem kleinen Hofgeschäft direkt verkauft.In diesem Jahr begann er auch mit einer kleinen Schweinemast, die er mit eigenem ungespritzten Futter versorgt. Über die Vitalität der Schweine - bei freiem Auslauf - konnten sich die Teilnehmer ein Bild machen. 

Den Nachmittag ließen die Teilnehmer auf dem Johanneshof in gemütlicher, rustikaler Atmosphäre ausklingen, wobei die gewonnenen Eindrücke die Teilnehmer weier beschäftigten. Die Beobachtung, daß die Landwirte ein Zusatzeinkommen benötigen, z.B. indem sie eine Besenwirtschaft betreiben, Pensionspferde aufnehmen oder Lohnarbeit anbieten, um zwei Generationen versorgen zu können, fiel besonders auf. Ein weiteres Gesprächsthema war die erforderliche Eigenvermarktung der landwirtschaftlichen Produkte durch Hofverkauf, Wochenmarkt oder den Aufbau eigener Vertriebswege.

Die Bundestagskandidatin Dr. Angelika Köster-Loßack bedankte sich bei den Organisatoren für den zwar anstrengenden, aber lehrreichen Nachmittag durch den Hockenheimer Rheinbogen.

Die Vorschläge ein "Grünes Weinfest" bei Harald Hans, grüner Nebenerwerbswinzer, und ein "Öko-Schlachtfest" auf dem Biolandhof von Wolfgang Zahn durchzuführen, fanden begeisterten Anklang.

SiS

"Pläne mit heißer Nadel gestrickt" - Heckenbiotop auf Plankstadter Gemarkung gefährdet

Gewerbegebiet Schwetzingen: Auf ihrer letzten "Sommersitzung" im Gasthaus "Engel" behandelten Mitglieder der Grünen Liste Plankstadt (GLP) eine Stellungnahme des Naturschutzbundes Dautschland (NABU) zum "Landschaftspflegerischen Begleitplan" des geplanten "Gewerbegebiets Stadteingang - Bruchhäuser Straße" in Schwetzingen.

Als Berichterstatter fungierte Gemeinderat Ulf-Udo Hohl, der darauf hinwies, daß der Gemeinderat von Plankstadt, auf seiner letzten Sitzung vor der Sommerpause, das Bauleitverfahren dieses Gewerbegebiets der Stadt Schwetzingen abgelehnt habe. In der Vorlage der Verwaltung habe es geheißen, daß "keine Nachteile für die Plankstadter Gemarkung zu befürchten sind."

Die Stellungnahme des NABU zeige nun, daß es neben den Befürchtungen über Nachteile, die in der Sitzung geäußert wurden, jetzt auch einen konkreten Konflikt gebe, der übersehen wurde. das Plangebiet des Schwetzinger Bebauungsplans grenze an die Plankstadter Gemarkung. Nach der Biotopkartierung des Landratsamtes des Rhein-Neckar-Kreises befindet sich ein Teil eines gemarkungsüberschreitenden Feldheckenbiotops auf Plankstadter Gemarkung. Hohl stellte fest, daß dieser Bereich nach § 24a des baden-württembergischen Biotopschutzgesetzes unter Schutz stehe.

Durch anlage-, bau- und betriebsbedingte Folgen des geplanten Gewerbegebiets auf Schwetzinger Gemarkung würde dieses Biotop in seiner ökologischen Funktion erheblich und nachhaltig beeinträchtigt. Hohl betonte, daß nach der Bundesnaturschutzregelung eine Konfliktanalyse sowie kompensatorische Maßnahmen, auch für einen Teilbereich des Biotops auf Plankstadter Gemarkung, zwingend vorgeschrieben seien.

Der NABU habe in seinen Untersuchungen festgestellt, daß dies in Schwetzingen, sowohl beim Bebauungsplan als auch beim landschaftspflegerischen Begleitplan, versäumt wurde. Hohl kritisierte die bisherigen Planvorlagen der Schwetzinger Verwaltung zum Gewerbegebiet: "Entweder sind sie mit heißer Nadel gestrickt oder darauf angelegt, Planungen unter Auslassung geltender Bestimmungen durchzuführen."

Hohl erinnerte dabei an eine Intervention der Gemeinde Plankstadt Ende 1996, durch die Schwetzingen veranlaßt wurde, ein Parallelverfahren des gültigen Flächennutzungsplans beim Nachbarschaftsverband Heidelberg-Mannheim zu beantragen. 
Es erfordere schon einige Anstrengung daran zu glauben, daß dies irrtümlich übersehen wurde. In dem immer noch gültigen Plan vom 25.02.1983 sei das Plangebiet nicht zur Bebauung vorgesehen, sondern werde als "schutzbedürftiger Bereich der Landwirtschaft" ausgewiesen. Eine solche Festlegung könne von einer Verwaltung einfach nicht übersehen werden.

In der anschließenden Diskussion wurde Unverständnis geäußert, daß die Plankstadter Verwaltung die Konfliktlage im Grenzbereich der Gemarkung nicht erkannt hätte. Die GLP Gemeinderäte wurden aufgefordert, alles zu unternehmen, um das Biotop zu erhalten und die Belange des Naturschutzes und seiner geltenden Bestimmungen gegenüber den Schwetzinger Anmaßungen mit dem nötigen Nachdruck zu vertreten.

uhl

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