Der Landtagskandidat der Grünen Dr. Andre Baumann diskutierte mit dem Wohnbau-Experten Chris Kühn, MdB, über bezahlbaren Wohnraum und eine nachhaltige Siedlungspolitik.

Bei einer Videokonferenz diskutierte die Grüne Liste Plankstadt (GLP) mit Andre Baumann, grüner Landtagskandidat für den Wahlkreis, über die Wohnungssituation in unserer Region. Dazu eingeladen war der grüne Bundestagsabgeordneten Chris Kühn, Sprecher für Bau- und Wohnungspolitik der Bundestagsfraktion. „Dafür, dass wir immer mehr bezahlbaren Wohnraum verlieren, gibt es viele Gründe,“ so Kühn und kam auf den Niedergang des sozialen Wohnungsbaus zu sprechen. Nach dem Höhepunkt in den 50er Jahren habe das Fördervolumen extrem abgenommen und sei seit Jahren sehr gering. Ausschlaggebend sei die Abschaffung der Gemeinnützigkeit sowie die Möglichkeit der Privatisierung ab 1990. Im Hinblick auf die aktuelle Wohnungsnot fehlen ca. 1 Mio. barrierefreie und bezahlbare Wohnungen.

Ebenfalls relevant fand Kühn den steigenden Flächenverbrauch, der zum sogen. Donut-Effekt führe. Dieser beschreibt die Entwicklung wachsender Einfamilienhausgebiete am Ortsrand, der den zunehmenden Leerstand im Ortskern nach sich zieht. Er appellierte an Kommunen, die Entwicklung im Bestand durch Sanierung, behutsamer Nachverdichtung (Scheunen) und Aufstockung der Gebäude als städtischen Lebensraum zu erhalten und eine Siedlungspolitik zu betreiben, die sich an Entwicklungsachsen orientiert. Das Französische Viertel in Tübingen, das Sonnenwendviertel in Wien oder auch Kopenhagen seien gelungene Beispiele, wie das Wohnen der Zukunft aussehen könne. Als Lösungsansatz für die Wohnungsproblematik nannte Kühn die von den Grünen angestrebte Stadtentwicklung. Der soziale Wohnungsbau brauche eine Investitionsoffensive in Form einer Wiederbelebung der Wohnungsgemeinnützigkeit.

Baumann ergänzte, dass die grüngeführte Landesregierung eine Wohnraum-Offensive ins Leben gerufen und 250 Mio. zur Verfügung gestellt habe, um eine aktive kommunale Wohnungspolitik zu ermöglichen. Gefördert werden Investoren, Genossenschaften und Kommunen, die bezahlbare Wohnungen schaffen und ökologisches Bauen fördern.

„Wir brauchen Wohnraum, den sich Alleinerziehende, Pflegekräfte oder Ältere leisten können“, sagt Baumann. Gleichzeitig sollten Wohngebiete nicht auf grünen Wiesen entstehen wie in Plankstadt. Neue Gebäude sollten hohe Anforderungen an die Energieeffizienz erfüllen. „Nachhaltig und bezahlbar muss unsere Siedlungspolitik sein, denn hohe Energiekosten bedeuten hohe Nebenkosten, die eine zweite Miete darstellten.“

Sigrid Schüller

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