Die Grüne Liste Plankstadt e.V. (GLP) hatte ins Gasthaus Engel eingeladen, um die öffentliche Diskussion in Plankstadt zur Verbesserung des ÖPNV aufzugreifen. Während der Bürgermeisterwahl war deutlich geworden, dass dieses Problem die Bevölkerung in Plankstadt beschäftigt und die jahrzehntelangen Forderungen der GLP für eine Verbesserung berechtigt waren.

Vorstandsfrau Sigrid Schüller begrüßte Gäste und Referenten Christoph Ruebeling, Christa Balling-Gündling
und Erwin Leuthe.
Als Einstimmung zum Thema ÖPNV wies Schüller daraufhin, dass sie vor rund 25 Jahren als Studentin
nach Plankstadt gekommen sei und seit dieser Zeit sich an der Busverbindung nicht viel getan hat. "Das ist
so, als hätten Sie in den letzten 25 Jahren keine Modernisierungs- oder Sanierungsmaßnahme an ihrem
Haus oder Ihrer Wohnung vorgenommen. Sie würden den jetzigen Ansprüchen einfach nicht mehr genügen."
Argumente wie "eigenwirtschaftlich fahrende Buslinie, da können wir keine Änderungen vornehmen"
wie sie von der Verwaltung und dem BRN zu hören sind, dürften kein Hinderungsgrund sein, sich Gedanken
über eine moderne, zeitgemäße Verbindung zu machen und deren Verwirklichung zu fordern.
Gerade Plankstadt muss die Anbindung an die S-Bahn in Schwetzingen und die Straßenbahnlinie nach Heidelberg
stärken, wenn die Bevölkerungszahl stabil gehalten werden soll, stellte Schüller fest. Bauplätze,
gibt es in den Nachbarorten, z.T. wesentlich günstiger, Kinderbetreuungsplätze sind andernorts meistens
besser ausgebaut - aber Plankstadt hat den Vorteil einer ÖPNV-Anbindung an Heidelberg, Mannheim und Karlsruhe.
Das ist das Alleinstellungsmerkmal - dieses gilt es auszubauen und zu propagieren. Hierdurch unterscheidet sich
Plankstadt von den umliegenden Orten, wie z.B. Oftersheim, Sandhausen, aber auch Brühl und Ketsch.
Durch eine sehr gute ÖPNV-Anbindung Plankstadts an Heidelberg und Schwetzingen besteht die Möglichkeit
hier leer stehende Häuser zu verkaufen oder Wohnungen und Zimmer an Studenten zu vermieten. Attraktiv wäre
Plankstadt damit auch für Familien, deren Mitglieder wegen Arbeit oder Studium in unterschiedliche Richtungen
fahren müssen.
Nach dieser Einführung berichtete Christa Balling-Gündling, Kreisrätin der Grünen und Stadträtin
in Eppelheim, über die bestehenden Regelungen zur Bezuschussung von Bus- und Straßenbahnlinien im Kreis:
Es gibt 47,1% Defizitabdeckung mit einer 9,64 Mio Euro Deckelung. Sie ermunterte die GLP, jetzt konkrete Vorstellungen
zu Bus- und Straßenbahnlinie zu formulieren und einzubringen. Der Vertrag über die Buslinie 713 laufe
im Juni 2010 aus und schon bei der neuen Ausschreibung müssten alle gewünschten Änderungen festgehalten
sein.
Die Stadt Eppelheim habe auf jahrelanges Drängen der Grünen jetzt eine Machbarkeitsstudie in Auftrag
gegeben, die die Verlängerung der Buslinie 713 von der Straßenbahn-Endhaltestelle in Eppelheim bis zum
Wieblinger Bahnhof mit Anbindung an die dortige S-Bahn untersuchen soll. Aus diesem Grund wird die Buslinie 713
zurzeit neu bewertet.
Außerdem berichtete sie davon, dass im Kreis die Verlängerung der Straßenbahnlinie 22 nach Schwetzingen
hohe Prioritäten besäße. Landrat Schütz habe klargestellt, das sei die nächste Linie,
die hier in Angriff genommen werde.
Der nächste Referent Christoph Ruebeling, Kandidat der Grünen Liste für die Kommunalwahl, stellte
sich selbst als ÖPNV-Nutzer vor, der sich mit Verbesserungen an der örtlichen Buslinie 713 beschäftigt
hat. Zunächst beschrieb er den gegenwärtigen Stand: Die Buslinie 713 verbindet die Endstelle der Straßenbahnlinie
22 in Eppelheim mit Schwetzingen. Werktags zwischen ca. 6:00 Uhr und 20:00 Uhr besteht durchgehend ein 20 Minuten
Takt. In den Abendstunden und an Sonntagen verlängern sich die Taktzeiten auf bis zu 60 Minuten. In Plankstadt
halten die Busse an drei Haltestellen: Ladenburgerstraße, Rathaus und Altenheim.
Durch Änderung der Fahrstrecke ab der Haltestelle Altenheim über Schubert- und Jahnstraße und Weiterfahrt
über die Neubaustrecke der B 535 nach Schwetzingen, könnten neue Haltestellen an der Humboldtschule und
im Bereich der Mehrzweckhalle eingerichtet werden.
Durch die Anbindung der nordwestlichen Wohngebiete und des Gewerbegebietes würde sich die Fahrzeit für
Durchreisende um nur 6 Minuten je Fahrtrichtung verlängern und für Plankstadt eine wesentliche Verbesserung
im ÖPNV ergeben.
Auch er wies daraufhin, dass 47 % des Defizits für den laufenden Betrieb einer Buslinie der Rhein-Neckar-Kreis
trägt. Verkehrsplaner haben den verbleibenden Mehraufwand für die Gemeinde durch die verbesserte Linienführung
auf ca. 50.000 Euro im Jahr abgeschätzt. Das ist nur die Hälfte dessen, was die inzwischen eingestellte
Plankstädter Ortsbuslinie die Gemeinde gekostet hat.
diskutierte Fahrstrecke der Buslinie 713 mit den neuen Haltestellen Gässeläcker, Humboldtschule, Mehrzweckhalle und Gewerbegebiet
Erwin Leuthe, Stadtplaner und von SPD und GLP unterstützter Bürgermeisterkandidat im letzten Jahr,
freute sich wieder in Plankstadt zu sein und einige vertraute Gesichter wieder zu sehen. Er begrüßte,
dass Bewegung in die öffentliche Diskussion um den ÖPNV gekommen sei. Als Baubürgermeister von Wiesloch
habe er für Wiesloch und in Zusammenarbeit mit Walldorf mehrere Buslinien initiiert und dabei einige Erfahrung
mit Ausschreibungen und Linienbündelung gesammelt.
Plankstadt bezeichnete er als weißen Fleck auf dem Liniennetzplan des VRN und kaum erschlossen. Schon allein
durch die vorgeschlagene Busschleife könnte ein weiteres Drittel der Plankstädter Bevölkerung erreicht
werden. Ortsbuse sind eine schlechte Alternative, da das Umsteigen beschwerlich und für viele Menschen ein
Hinderungsgrund ist, den ÖPNV zu nutzen, wie viele Statistiken zeigen. Deshalb sollte das Fernziel die Verlängerung
der Straßenbahnlinie 22 nicht aus dem Auge verloren werden. Eine Verlängerung der Straßenbahnlinie
mit einem Parkplatz und vielen Fahrradabstellplätzen am Ortsrand könnte die erste Etappe sein.
Bei der weiteren Linienführung gäbe es mehrere Varianten. Die bei der Machbarkeitsstudie von 2000 favorisierte
Strecke durch Plankstadt und Schwetzingen mit der Endhaltestelle am Schloss würde die meisten Menschen erreichen
und verspricht die meisten Nutzer. Vorstellbar wäre bei dieser Variante aber auch ein Abzweigen in den Schwetzinger
Bahnhof.
Als weitere Variante wäre eine Streckenführung entlang der Ostumfahrung und südlich an Plankstadt
entlang denkbar, um anschließend auch im Schwetzinger Bahnhof zu enden. Hierzu fehlen aber zurzeit detaillierte
Untersuchungen.
Die anschließende angeregte Diskussion drehte sich vorrangig um die Streckenführung der Buslinie 713, da hier die Zeit drängt und Nägel mit Köpfen gemacht werden müssen. Erwin Leuthe empfahl einen einjährigen Probelauf vor der neuen Ausschreibung, um den Anbietern konkrete Kundenzahlen liefern zu können. Referenten und Gäste konnten gemeinsam einige Forderungen für die neue Ausschreibung der Buslinie 713 formulieren:
Als Resümee dieser Veranstaltung kann festhalten werden, vieles wurde in der Vergangenheit versäumt.
Jetzt gilt es Überlegungen anzustellen und so schnell als möglich zu handeln. Gemeinderat und Bürgermeister
Plankstadt müssen aufgefordert werden, umgehend die verkehrliche Erschließung der nordwestlichen Wohngebiete
durch entsprechende Anträge in die Wege zu leiten.
sch
Pressebericht der GLP vom 18.05.2009