100 Jahre Wasserturm zu Plankstadt


Pressebericht, 18.09.2006

Fortsetzung 1

Historische Rückblicke anlässlich des 100-jährigen Bestehens des Wasserturms zu Plankstadt

In seinem Vortrag knüpfte Gemeinderat Ulf-Udo Hohl an die von der Grünen Liste Plankstadt (GLP) 1994 und 1999 durchgeführten Ausstellungen an, mit denen die Geschichte des Wasserturms und seine künftige Nutzung in die lokale Diskussion gebracht wurde.
Er bezeichnete den Wasserturm gleichzeitig als Symbol einer Zeitenwende. Plankstadt war im Begriff sich von einer hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer Wohngemeinde zwischen den Zentren Heidelberg und Mannheim zu entwickeln. Die stete Zunahme der Bevölkerung und höhere hygienische Standards erforderten die Installation einer Wasserversorgung und Kanalisation, wie sie seinerzeit viele Gemeinden in der Neckarpfalz projektierten oder durchführten.
100 Jahre Wasserturm bedeuten auch 100 Jahre Pumpwerk und 100 Jahre moderne Wasserversorgung in Plankstadt. Die politischen Beschlüsse der verschiedenen Gremien, die Finanzierung und technische Umsetzung der Pläne waren den zahlreichen Exponaten zu entnehmen. Hohl verwies zudem auf einen Beitrag des Gemeindearchivars Ulrich Kobelke zu den bekannten technischen und finanziellen Daten.
Geforscht wurde im Generallandesarchiv Karlsruhe und Gemeindearchiv Plankstadt, zudem wurden Tageszeitungen der damaligen Zeit ausgewertet, insbesondere das "Schwetzinger Tageblatt und badische Hopfenzeitung", das offizielle Amtsblatt im Bezirk Schwetzingen. Die gleichzeitig erscheinende "Schwetzinger Zeitung" stand für die Recherche nicht zur Verfügung. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums sollten zwei bisher ungeklärte Fragen beantwortet werden:

1. Gab es eine offizielle Einweihung des Wasserturms und der Wasserversorgung?
2. Wie verlief die politische Debatte in den Gremien der Gemeinde Plankstadt?



Beide Fragestellungen förderten bisher unbekanntes Material und Zusammenhänge zu Tage. Trotz aller Mühen waren keine Anhaltspunkte zu finden, ob und wann eine offizielle Einweihung des Wasserturms stattgefunden hat. Wenn man bedenkt, daß der imposante Wasserturm neben der katholischen Kirche das dominierende Bauwerk der Gemeinde ist, ist es eigentlich kaum vorstellbar, daß es lediglich ein Richtfest gegeben haben soll, das man auf dem ausgestellten und einzigen Foto des eingerüsteten Wasserturms vermuten kann. Bei den abgelichteten Personen handelt es sich ausschließlich um namentlich ermittelte Handwerker und Handwerksmeister mit Frauen. Offizielle Vertreter der Gemeinde fehlen. Es ist deshalb anzunehmen, daß es sich um ein internes Richtfest der Gewerke handelt.
Schließlich ist der Wasserturm eines von drei Gebäuden, welches das Wappen der Gemeinde ziert: nämlich Friedrichschule, Rathaus und Wasserturm. Allerdings finden sich nirgends Berichte über eine offizielle Einweihung des Wasserturms oder der Wasserversorgung insgesamt.
Vielleicht waren es die erheblichen Investitionen, welche die Gemeinde für die Wasserversorgung tätigte und die ihre Gremien davon abhielten, eine kostspielige Einweihungsfeier abzuhalten, oder aber die sich häufenden Beschwerden über den Wasserzins. Allerdings ließen es sich die Gemeindeoberen nicht nehmen 1906 und 1907 anläßlich der Geburtstage seiner kgl. Hoheit des Großherzogs und des deutschen Kaisers Bankette abzuhalten, zu denen alle Vereine der Gemeinde geladen waren. Nach der bisherigen Quellenlage weist nichts auf eine offizielle Einweihungsfeier hin.

Jahreszahlen finden sich weder am Wasserturm noch im Pumpwerk. Dennoch läßt sich die Inbetriebnahme des Wasserturms zeitlich eingrenzen. Das fotografisch festgehaltene "Aufschlagfest" am Wasserturm läßt sich auf Ende 1906 datieren. Endgültig fertiggestellt wurde das Bauwerk 1907. Beleg ist ein Beschluß des Gemeinderats vom 4. Februar 1907 das Dach mit Schindeln decken zu lassen und den Auftrag an die Heidelberger Firma Schmid & Sterker zu vergeben.
Am 22. Dezember 1906 wurden Adam Rey als Pumpmeister und Franz Berlinghof als Brunnenmeister von der Gemeinde eingestellt. In der Gemeinderechnung 1907 ist ein Konrad Keller aus Wiesloch aufgeführt, der für das "Aushauen eines Wappens" am Wasserturm 50 Mark erhält. Dieses Wappen, das offenbar aus dem Schlußstein gehauen wurde, ist auf dem Foto des eingerüsteten Wasserturms zu sehen. Wichtig für die zeitliche Bestimmung des Baufortschritts ist ein Vorgang am Rande des Wasserturms. Am 24. Oktober 1906 meldet das Schwetzinger Tageblatt: "Gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr brach im Schopfen des Landwirts und Farrenhalters Philipp Helmling Feuer aus. Im Stalle der unter dem Schopfen ist, befanden sich 7 Gemeindefarren und war es eine gefährliche Aufgabe, diese zu entfernen, da auch der Stall brannte. Doch gelang es, die Tiere in der nebenliegenden Scheuer unterzubringen. Abends gelang es einem Farren in die Freiheit zu kommen, er machte einen Spaziergang durch das Ort, besichtigte den Wasserturm, und konnte dort eingefangen werden. Bei dieser Jagd erlitt der 20-jährige Julius Schuhmacher einige Verletzungen. Der Schaden dürfte 5 - 6000 Mark betragen. Spielende Kinder haben den Brand verursacht."
Diese Meldung beweist, daß der Wasserturm in seiner Kubatur bereits Ende 1906 errichtet war. Am 7. Februar 1907 meldet das Heidelberger Tageblatt unter Plankstadt kurz und knapp: "Der Gemeinderat macht heute bekannt, daß die neuerrichtete hiesige Wasserleitung am 1. März in Betrieb gesetzt wird." Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist der Wasserturm in Funktion getreten. 1908 wurde die Wasserförderung zum ersten Mal umfassend festgehalten. Sie betrug 11.340 cbm.
Der Brand bei Farrenhalter Helmling macht zugleich deutlich, wie landwirtschaftlich geprägt Plankstadt zur Zeit des Turmbaus noch war. Die Verwaltung war sehr stark mit Vorgängen der Viehzucht beschäftigt und musste Sorge tragen, dass genügend gemeindeeigene Stiere, Geißböcke und Zuchteber zur Verfügung standen. Dem Gemeinderat oblag es, die Zuchttiere persönlich einzukaufen.
Verbunden ist die Installation der Wasserversorgung und der Bau des Wasserturms mit dem Namen des damaligen Bürgermeisters Peter Helmling, der im Jahre 1900 Bürgermeister Treiber ablöste. Helmling übte sein Amt halbtags für 100 Mark im Monat aus und betrieb ab 1907 noch die kaiserliche Postagentur in seinem Wohnhaus in der Schillerstraße. Der Zentrumsmann Helmling setzte sich für die Kanalisation und moderne Wasserversorgung in der Gemeinde ein. Unterstützung fand er nach anfänglichen Auseinandersetzungen im Bürgerausschuß (67 Mitglieder) dem bestimmenden Hauptorgan der Gemeinde, vergleichbar mit dem heutigen Gemeinderat. Der damalige Gemeinderat war das dem Bürgermeister zugeordnete Verwaltungsorgan. Gemeinderate waren zur Zeit des Wasserturmbaus die Herren Berger, Joh. Georg Gaa IV, Adam Klein I, A. Treiber der V, Joh. Georg Treiber I und Hahn.

ho

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