Fortsetzung 1
In seinem Vortrag knüpfte Gemeinderat Ulf-Udo Hohl an die von der Grünen Liste Plankstadt (GLP) 1994
und 1999 durchgeführten Ausstellungen an, mit denen die Geschichte des Wasserturms und seine künftige
Nutzung in die lokale Diskussion gebracht wurde.
Er bezeichnete den Wasserturm gleichzeitig als Symbol einer Zeitenwende. Plankstadt war im Begriff sich von einer
hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten Gemeinde zu einer Wohngemeinde zwischen den Zentren Heidelberg
und Mannheim zu entwickeln. Die stete Zunahme der Bevölkerung und höhere hygienische Standards erforderten
die Installation einer Wasserversorgung und Kanalisation, wie sie seinerzeit viele Gemeinden in der Neckarpfalz
projektierten oder durchführten.
100 Jahre Wasserturm bedeuten auch 100 Jahre Pumpwerk und 100 Jahre moderne Wasserversorgung in Plankstadt. Die
politischen Beschlüsse der verschiedenen Gremien, die Finanzierung und technische Umsetzung der Pläne
waren den zahlreichen Exponaten zu entnehmen. Hohl verwies zudem auf einen Beitrag des Gemeindearchivars Ulrich
Kobelke zu den bekannten technischen und finanziellen Daten.
Geforscht wurde im Generallandesarchiv Karlsruhe und Gemeindearchiv Plankstadt, zudem wurden Tageszeitungen der
damaligen Zeit ausgewertet, insbesondere das "Schwetzinger Tageblatt und badische Hopfenzeitung", das
offizielle Amtsblatt im Bezirk Schwetzingen. Die gleichzeitig erscheinende "Schwetzinger Zeitung" stand
für die Recherche nicht zur Verfügung. Anlässlich des 100-jährigen Jubiläums sollten zwei
bisher ungeklärte Fragen beantwortet werden:
1. Gab es eine offizielle Einweihung des Wasserturms und der Wasserversorgung?
2. Wie verlief die politische Debatte in den Gremien der Gemeinde Plankstadt?
Beide Fragestellungen
förderten bisher unbekanntes Material und Zusammenhänge zu Tage. Trotz aller Mühen waren keine Anhaltspunkte
zu finden, ob und wann eine offizielle Einweihung des Wasserturms stattgefunden hat. Wenn man bedenkt, daß
der imposante Wasserturm neben der katholischen Kirche das dominierende Bauwerk der Gemeinde ist, ist es eigentlich
kaum vorstellbar, daß es lediglich ein Richtfest gegeben haben soll, das man auf dem ausgestellten und einzigen
Foto des eingerüsteten Wasserturms vermuten kann. Bei den abgelichteten Personen handelt es sich ausschließlich
um namentlich ermittelte Handwerker und Handwerksmeister mit Frauen. Offizielle Vertreter der Gemeinde fehlen.
Es ist deshalb anzunehmen, daß es sich um ein internes Richtfest der Gewerke handelt.
Schließlich ist der Wasserturm eines von drei Gebäuden, welches das Wappen der Gemeinde ziert: nämlich
Friedrichschule, Rathaus und Wasserturm. Allerdings finden sich nirgends Berichte über eine offizielle Einweihung
des Wasserturms oder der Wasserversorgung insgesamt.
Vielleicht waren es die erheblichen Investitionen, welche die Gemeinde für die Wasserversorgung tätigte
und die ihre Gremien davon abhielten, eine kostspielige Einweihungsfeier abzuhalten, oder aber die sich häufenden
Beschwerden über den Wasserzins. Allerdings ließen es sich die Gemeindeoberen nicht nehmen 1906 und
1907 anläßlich der Geburtstage seiner kgl. Hoheit des Großherzogs und des deutschen Kaisers Bankette
abzuhalten, zu denen alle Vereine der Gemeinde geladen waren. Nach der bisherigen Quellenlage weist nichts auf
eine offizielle Einweihungsfeier hin.
Jahreszahlen finden sich weder am Wasserturm noch im Pumpwerk. Dennoch läßt sich die Inbetriebnahme
des Wasserturms zeitlich eingrenzen. Das fotografisch festgehaltene "Aufschlagfest" am Wasserturm läßt
sich auf Ende 1906 datieren. Endgültig fertiggestellt wurde das Bauwerk 1907. Beleg ist ein Beschluß
des Gemeinderats vom 4. Februar 1907 das Dach mit Schindeln decken zu lassen und den Auftrag an die Heidelberger
Firma Schmid & Sterker zu vergeben.
Am 22. Dezember 1906 wurden Adam Rey als Pumpmeister und Franz Berlinghof als Brunnenmeister von der Gemeinde eingestellt.
In der Gemeinderechnung 1907 ist ein Konrad Keller aus Wiesloch aufgeführt, der für das "Aushauen
eines Wappens" am Wasserturm 50 Mark erhält. Dieses Wappen, das offenbar aus dem Schlußstein gehauen
wurde, ist auf dem Foto des eingerüsteten Wasserturms zu sehen. Wichtig für die zeitliche Bestimmung
des Baufortschritts ist ein Vorgang am Rande des Wasserturms. Am 24. Oktober 1906 meldet das Schwetzinger Tageblatt:
"Gestern nachmittag kurz nach 3 Uhr brach im Schopfen des Landwirts und Farrenhalters Philipp Helmling Feuer
aus. Im Stalle der unter dem Schopfen ist, befanden sich 7 Gemeindefarren und war es eine gefährliche Aufgabe,
diese zu entfernen, da auch der Stall brannte. Doch gelang es, die Tiere in der nebenliegenden Scheuer unterzubringen.
Abends gelang es einem Farren in die Freiheit zu kommen, er machte einen Spaziergang durch das Ort, besichtigte
den Wasserturm, und konnte dort eingefangen werden. Bei dieser Jagd erlitt der 20-jährige Julius Schuhmacher
einige Verletzungen. Der Schaden dürfte 5 - 6000 Mark betragen. Spielende Kinder haben den Brand verursacht."
Diese Meldung beweist, daß der Wasserturm in seiner Kubatur bereits Ende 1906 errichtet war. Am 7. Februar
1907 meldet das Heidelberger Tageblatt unter Plankstadt kurz und knapp: "Der Gemeinderat macht heute bekannt,
daß die neuerrichtete hiesige Wasserleitung am 1. März in Betrieb gesetzt wird." Spätestens
zu diesem Zeitpunkt ist der Wasserturm in Funktion getreten. 1908 wurde die Wasserförderung zum ersten Mal
umfassend festgehalten. Sie betrug 11.340 cbm.
Der Brand bei Farrenhalter Helmling macht zugleich deutlich, wie landwirtschaftlich geprägt Plankstadt zur
Zeit des Turmbaus noch war. Die Verwaltung war sehr stark mit Vorgängen der Viehzucht beschäftigt und
musste Sorge tragen, dass genügend gemeindeeigene Stiere, Geißböcke und Zuchteber zur Verfügung
standen. Dem Gemeinderat oblag es, die Zuchttiere persönlich einzukaufen.
Verbunden ist die Installation der Wasserversorgung und der Bau des Wasserturms mit dem Namen des damaligen Bürgermeisters
Peter Helmling, der im Jahre 1900 Bürgermeister Treiber ablöste. Helmling übte sein Amt halbtags
für 100 Mark im Monat aus und betrieb ab 1907 noch die kaiserliche Postagentur in seinem Wohnhaus in der Schillerstraße.
Der Zentrumsmann Helmling setzte sich für die Kanalisation und moderne Wasserversorgung in der Gemeinde ein.
Unterstützung fand er nach anfänglichen Auseinandersetzungen im Bürgerausschuß (67 Mitglieder)
dem bestimmenden Hauptorgan der Gemeinde, vergleichbar mit dem heutigen Gemeinderat. Der damalige Gemeinderat war
das dem Bürgermeister zugeordnete Verwaltungsorgan. Gemeinderate waren zur Zeit des Wasserturmbaus die Herren
Berger, Joh. Georg Gaa IV, Adam Klein I, A. Treiber der V, Joh. Georg Treiber I und Hahn.
ho
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