Bei der Grünen Liste Plankstadt (GLP) stand am Montag, den 19. April im Gasthaus "Engel", das Thema
kinderfreundliche Gemeinde im Zentrum der Diskussion.
Mangelnde Kinderfreundlichkeit der Städte und Gemeinden wird heute als eine zentrale Ursache für den
Bevölkerungsschwund angesehen. Alle anderen Themen - von Gründer- und Gewerbeparks bis hin zum Straßenbau
- werden in den meisten Gemeinden wichtiger eingestuft als eine kinderfreundliche Politik.
Sigrid Schüller, die Vorstandsfrau der Grünen Liste Plankstadt (GLP), ging anhand von zwei Themenkomplexen
auf Möglichkeiten ein, die Bedürfnisse von Kindern und deren Mütter und Väter politisch besser
zu berücksichtigen.
Gestalterische Maßnahmen setzen schon bei der Planung eines neuen Wohngebietes ein: Damit alle Straßen
innerhalb der Siedlung als Spielstraßen ausgewiesen werden können, müssen Autos draußen bleiben.
Einfluss nehmen kann die Gemeinde auch bei der Vergabe von gemeindeeigenen Bauplätzen. So können Bauplätze
für Familien mit Kindern zu günstigeren Bedingungen angeboten werden. Leider hat die Gemeinde Plankstadt
bei der Vergabe der Bauplätze in der Keesgrieb diese Kriterien nicht bis zum Schluss verfolgt. Für die
Gemeinde Plankstadt war es wichtiger, die Gemeindekasse sofort zu füllen, als auf geeignete Bewerber für
die letzten gemeindeeigenen Grundstücke zu warten.
Lebensqualität und ein Gemeinschaftsgefühl vor Ort erreicht man auch durch die Ausweisung von ausreichend
Kinderspielplätzen und Grünanlagen mit Kinderspielgeräten. Hier treffen sich nicht nur Eltern mit
spielenden Kindern, sie laden auch ältere Menschen zum Spazierengehen, Verweilen und Zuschauen ein.
Im Straßenverkehr muss mehr auf die Kinder hingewiesen und Rücksicht genommen werden. Durch Fußgängerampeln,
Aufpflasterungen und Schwellen sollten die Schulwege und die Wege zu Spielplätzen und Sportanlagen sicherer
gestaltet werden. Die Präsenz von Kindern muss allen Verkehrsteilnehmern ständig verdeutlicht werden.
Wie könnte eine Offensive für ein kinderfreundliches Plankstadt eingeleitet werden? Mit dieser Frage
beschäftigten sich die Diskussionsteilnehmer im Anschluss an diesen ersten Themenkomplex.
Gemeinderat Ulf-Udo Hohl schlug vor, in der Gemeindeverwaltung einen festen Ansprechpartner, ein oder eine sogenannte
Kinderbeauftragte/r einzurichten, um die Kommunikation zwischen der Verwaltung, dem Gemeinderat und den Müttern
und Vätern zu fördern.
"Durch Aktionen und Pressearbeit könnte der Versuch gestartet werden, ein kinderfreundlicheres Ambiente
in der Gemeinde zu schaffen," war ein weiterer Vorschlag von Hans-Peter Geiser. "Beispielsweise darf
Kinderlärm vom nahen Spielplatz oder Schulhof nicht als störend empfunden werden. Über die Presse
könnte auch immer wieder auf falsche Verhaltensweisen im Straßenverkehr, die die Sicherheit der Kinder
gefährdet, aufmerksam gemacht werden, wie z.B. das Parken von Autos im Kreuzungsbereich," führte
er weiter aus.
Die Einführung einer Benutzungsgebühr bei der Gemeindebücherei sei in dieser Hinsicht ein großer
Rückschlag, äußerte sich Ulrike Auffarth unzufrieden über den eingeschlagenen Weg der Gemeinde
Plankstadt. Die Verwaltung argumentiert, die Gemeinde sei aufgrund der finanziellen Schwierigkeiten darauf angewiesen,
freiwillige Leistungen zu kürzen. Aber die Verwaltung verschweigt, dass z.B. im Haushalt Geld für die
Stadt Heidelberg eingestellt ist, um den Bau der Heidelberger Gemeindestraße beim Grenzhof mit zu finanzieren.
Auffarth wies darauf hin, dass es sich hierbei ebenfalls um eine freiwillige Leistung der Gemeinde handele, es
käme eben immer darauf an, welche Prioritäten gesetzt würden.
Das Angebot von Kinderbetreuung war der nächste Themenkomplex, den Sigrid Schüller aufgriff. Mütter
wollen oder müssen Berufstätigkeit und Kinderbetreuung vereinbaren, wobei Kinderbetreuungsangebote für
Kinder im Alter von 0 - 12 Jahren unbedingt notwendig sind. Nach einer Untersuchung im November 2000 sind in Baden-Württemberg
63% aller Mütter berufstätig. Schätzungen für die alten Bundesländer gehen davon aus,
dass ein Drittel der Frauen der Geburtsjahrgänge um 1965 kinderlos bleiben. Ein besonders wichtiger Grund
hierfür ist die mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf.
In Plankstadt gibt es zzt. nur eine Kernzeitbetreuung im Grundschulalter. Für alle anderen Kinder müssen
die Mütter und Väter die Betreuung selbst organisieren.
Besonders schwierig ist die Unterbringung von unter Dreijährigen, obwohl auch hier die Nachfrage groß
ist und der Bedarf in Zukunft steigen wird.
Für 1998 wurde in Württemberg eine Versorgungsquote an Kinderkrippenplätzen von 1,26% errechnet,
der Bundesdurchschnitt liegt bei 6,3%. Im Landesfamilienbericht von Baden-Württemberg wird aber von einer
Bedarfsquote von 20% ausgegangen.
Die unterdurchschnittliche Versorgung mit Kinderkrippenplätzen in Baden-Württemberg ist darauf zurückzuführen,
dass die CDU-Landesregierung die Kinderbetreuung der unter Dreijährigen nicht berücksichtigt, und damit
auch keine Landeszuschüsse für Kinderkrippen gewährt.
Solange keine Förderung über das Land erfolgt, sind bei der Betreuung der unter Dreijährigen die
Gemeinden gefordert. Verschiedene Modelle mit Selbsthilfe und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Kindergärten
sind vorstellbar. Die Gemeinde kann Räumlichkeiten zur Verfügung stellen und die entstehenden Nebenkosten
tragen, Elterninitiativen unterstützen und in versicherungstechnischen Fragen beraten.
Ende 2003 gingen Meldungen über den "Babyboom in Laer" durch die Presse. In dieser kleinen Gemeinde
mit ca. 6700 Einwohnern in Nordrhein-Westfalen, kommen auf 1000 Einwohner 13,5 Neugeborene. Fast jede Familie hat
gleich mehrfach Nachwuchs. In Baden-Württemberg liegt der Durchschnitt bei 9,5 Neugeborenen pro 1000 Einwohner.
In Laer hat sich der grüne Bürgermeister und der Gemeinderat (CDU dominiert) einer kinderfreundlichen
Politik verschrieben. Eine Ganztagesbetreuung für Kinder aller Altersstufen wird von einem Verein "Initiative
für Kinder und Jugendliche in Laer und Holthausen" umgesetzt und die Gemeinde beteiligt sich daran finanziell.
Angeboten wird eine Ganztagesschule. Hier übernahm die Gemeinde den Trägeranteil mit 150.000 Euro. Die
Eltern zahlen einen eigenen Beitrag von 80 Euro im Monat. Es gibt Mittagessen und am Nachmittag Hilfe bei den Hausaufgaben
und Sportangebote.
Für die Betreuung der Kinder im Kindergartenalter werden ausreichend Kindergartenplätze angeboten. Kinder
können über Mittag bleiben und müssen erst um 16.30 Uhr abgeholt werden.
Eine öffentlich geförderte Elterninitiative betreut die Kinder ab 4 Monaten.
Das Beispiel Laer zeigt, dass Kinderfreundlichkeit dann zu erreichen ist, wenn alle Beteiligten aus Politik, Bürgerschaft
und Verwaltung gemeinsam daran arbeiten.
Verlässliche Kinderbetreuungsangebote und die Berücksichtigung der Belange von Eltern und Kinder bei
der Ortsgestaltung sind Ziele, für die sich die Kandidatinnen und Kandidaten der Grünen Liste einsetzen
werden. Die Gemeinde Laer kann dabei als Vorbild dienen.
sch