War der Morgen
noch wolkenverhangen, so zeigten sich immer mehr Wolkenlücken und am frühen Nachmittag sorgte die Sonne
für angenehme Temperaturen und ließ das herausgeputzte Festgelände um die Grillhütte erstrahlen.
Während am Nachmittag nur spärlicher Besuch zu verzeichnen war, füllte sich das Terrain gegen Abend
immer mehr. Eine gute Stimmung verbreitete sich und hielt bis zum Ende des Festes an. Selbst einige Regengüsse
konnten der Fröhlichkeit keinen Abbruch tun.
Besonders ins Auge stachen, die an einer Wäscheleine aufgehängten 45 Exponate, welche die Aktivitäten
der GLP von 1983 bis heute dokumentierten. Diese Reproduktionen fanden großes Interesse bei den Besuchern.
Mit einer Festansprache eröffnete Gemeinderat Ulf-Udo Hohl offiziell die Veranstaltung und freute sich unter
den Gästen Stadtrat Michael Behr aus Hockenheim und Stadträtin Irmtraud Spinnler aus Heidelberg begrüßen
zu können. Bereits am frühen Nachmittag war SPD Fraktionsvorsitzender Dieter Schneider (SPD) mit Gattin
zu einer Stippvisite vorbeigekommen. Hohl bezeichnete 20 Jahre GLP als ein Glücksmoment für diejenigen,
die seit 1983 dabei oder später hinzugestoßen seien. Dieser lange Zeitraum müsse um so mehr gewürdigt
werden, als die Gegner aus allen Lagern der GLP nur eine kurze Lebensdauer prophezeiten. In diesem politischen
Klima sei es nicht einfach gewesen sich zu behaupten, "aber wir haben es geschafft," betonte Hohl. Er
rief die Gründung der GLP in Erinnerung, die am 29.4.1983 im Keglerraum der Mehrzweckhalle erfolgte. Die Gründung
eines grünen Ortsvereins wurde mit großer Mehrheit verworfen und stattdessen ein autonomer Vereinsstatus
angestrebt. Tagungslokal war damals das Gasthaus "Roter Schneider" jetzt Metzgerei Wettstein. Die offizielle
Gründung mit Verabschiedung einer Satzung erfolgte am 5.12.1983 im Gasthaus "Holzkistel" Brühler
Weg. Beide Lokale sind heute verschwunden. Weitere Vereinslokale waren die "Feldwanz", das Gasthaus Adler
unter der Regie der Familie Schmidt, die alte Vereinsgaststätte der Kleintierzüchter und seit mehreren
Jahren das Gasthaus zum Engel, wo sich die GLP wohlfühle und gut versorgt sei. Seit 20 Jahren tage die GLP
nahezu uneingeschränkt wöchentlich und zwar jeweils montags.
Bei den Diskussionen, die zur Gründung führten, wurde die GLP von Irmtraud Spinnler von der damaligen
Grünen Liste Heidelberg heute Stadträtin der GAL HD sowie Rudi Brenzinger, ehemaliger Gemeinderat der
Grünen Liste Brühl, beraten und unterstützt.
Das damalige Regionalmagazin rund-um schrieb über die Gründung der GLP: "Die Schwerpunkte der kommunalpolitischen
Arbeit werden die Verkehrs- und Umweltprobleme, sowie Fragen der Ortskernsanierung und des sozialen und kulturellen
Zustands der Gemeinde sein." ( rund-um 1 /84 ). Diese klassischen Politikfelder bestimmen auch heute noch
die Kommunalpolitik der GLP. Der Redner nannte besonders die Auseinandersetzung um die Autobahn B 535, welche die
Politik der GLP seit 20 Jahren beschäftige. Die Zeitzeloch-Feste hätten den Widerstand gegen dieses Wahnsinnsprojekt
zum Ausdruck gebracht. Am 25. Sept. 2003 werde vor dem Verwaltungsgerichtshof ( VGH ) über die Feststellungsklage,
ob der Planfeststellungsbeschluß verfallen ist, verhandelt. Er hoffe, auf ein günstiges Urteil.
Ziel der Gründung 1983 war es vor allem, 1984 für den Gemeinderat zu kandidieren und dort vertreten zu
sein. Bei allem Elan und politischen Idealismus, der sich aus den Bewegungen der damaligen Zeit speiste, sei dies
ein Wagnis gewesen, das sich dann aber mit einem Sitz im Gemeinderat auszahlte. Ihre Feuertaufe habe die GLP noch
kurz vor ihrer offiziellen Gründung in der heftigen Debatte in Öffentlichkeit und Gemeinderat über
ihre Teilnahme beim 2. Plankstädter Straßenfest 1983 erhalten. Starke Kräfte wollten eine Teilnahme
verhindern. Mit einem gelungenen Stand und einem alternativen Kulturprogramm habe die GLP ein großes Echo
ausgelöst.
Die ganz große Rathausallianz habe danach auch weiterhin der GLP unisono das Leben schwer gemacht. Die GLP
habe Kurs gehalten und 1994 ein 2. Mandat erzielt. Sie wurde Fraktion, bekam damit die formelle Gleichstellung,
die sie sich aber zuvor schon materiell vor Gericht erstritten hatte. Danach wurden punktuelle Bündnisse in
einigen Bereichen vor allem mit der SPD möglich. Als Resümee dieser Zeit hielt Gemeinderat Hohl fest:
"Die GLP hat einiges bewegt und Impulse für andere gegeben. Viele unserer Vorschläge wurden vom
politischen Gegner recycelt oder verwaltungsneutral umgesetzt. Die GLP ist nicht der Wurmfortsatz oder Mehrheitsbeschaffer
einer großen Fraktion wie andere, sondern hat sich ein unverwechselbares Profil in der Gemeinde erkämpft,
indem sie nachvollziehbare Alternativen in die kommunalpolitische Debatte eingebracht hat."
Das Verhältnis zur Partei B 90/ Grüne / Kreisverband Hardt lasse sich seit der Gründung der GLP
mit kritischer Solidarität umschreiben. Auf dieser Grundlage wurden die Landtags- und Bundestagswahlen mitgetragen
und unterstützt.
2004 stehen Kommunalwahlen in Baden-Württemberg an. Die GLP beabsichtigt mit einer kompletten Liste anzutreten
und strebt ein 2. Mandat an.
Hohl sah sich zum Schluß seiner Rede anläßlich der 20 Jahre GLP sowie der anstehenden Kommunal-
und Kreistagswahl am 13. Juni 2004 ermuntert auch einige Streiflichter auf die große Politik zu setzen: "Der
jetzige Zustand der Koalition in Berlin macht uns Probleme, weil wir seit der Kommunalwahl 1999 wissen, daß
die Bundespolitik auch bei Kommunalwahlen gewaltig durchschlägt. Für die GLP kann dies nur bedeuten,
selbstbewußt aufzutreten und unsere alternative, aber immer nachvollziehbare Kommunalpolitik in den Mittelpunkt
zu rücken."
Was die Gemeindefinanzen betreffe, so trete die GLP klar für die Erhaltung der Gewerbe-steuer als genuine
Kommunalsteuer ein. Hohl forderte deshalb, die Anteile von Land und Bund an dieser Steuer drastisch zu reduzieren.
Gemäß dem Motto der GLP "ökologisch und sozial" könnten die Auswirkungen der sozialen
Abrißbirne in der BRD nicht mitgetragen werden.
Die GLP erwarte hier Korrekturen von B 90 / Grüne. Hohl sprach die Hoffnung aus, daß sich die Bundesregierung
nicht auf außenpolitische Abenteuer einlasse, um den völkerrechtswidrigen Angriffskrieg der USA gegen
den Irak nachträglich zu legitimieren. Die agressiven Machtgelüste des US Imperiums seien nur zu bremsen,
wenn der US amerikanische Blutzoll hoch sei und die finanziellen Kosten aus dem Ruder liefen. Eine Beteiligung
deutscher Truppen in einem NATO Kontingent im Irak hätte große Auswirkungen auf den Ausgang der anstehenden
Kommunalwahlen 2004 in mehreren Bundesländern.
Hohl zitierte aus dem Regionalmagazin rund-um, in dem der Verfasser 1983 die Hoffnung aussprach "daß
das artspezifisch noch nicht fixierte Pflänzchen GLP nicht als blaue Blume endet, sondern ein strammer Kaktus
mit roten Blüten wird." Hohl stellte fest, daß diese Hoffnungen eingelöst wurden und forderte
die Anwesenden auf, die GLP in vielfältiger Hinsicht zu unterstützen.
Er beendete seinen Rede mit dem Hinweis auf das Lied vom Kleinen Grünen Kaktus, das gelegentlich bei GLP-Festivitäten
abgespielt wird und fügte eine Strophe hinzu: "Ein kleiner grüner Kaktus, der sticht so manches
mal, die Folgen sind mal mäßig, das andere Mal fatal."
In ihrem launig politischen Beitrag hatte Vorstandsfrau Sigrid Schüller für das Geburtstagskind GLP drei
Wünsche parat, die sie an Bürgermeister und Gemeinde richtete.
Gemeinderäte von Plankstadt erhielten während der stundenlangen Sitzungen keine Getränke. Dabei
zögen sich diese Sitzungen mit dem öffentlichen und nicht-öffentlichen Teil z.T. mehrere Stunden
hin. Nun wisse jeder, wie wichtig das Trinken für die Gesundheit sei. Flüssigkeitsmangel schwäche
das Leistungsvermögen und führe unweigerlich zur Austrocknung. Sie meine, dehydrierte Gemeinderäte
seinen nicht in der Lage richtungsweisende Entscheidungen für die Gemeinde Plankstadt zu treffen, und forderte
deshalb, gebt den Gemeinderäten während den Gemeinderatssitzungen etwas zu trinken. Den Gemeinderat der
GLP, Ulf-Udo Hohl, der sich seit fast 14 Jahren diesen trockenen Sitzungen hingebe, wolle sie heute selbst versorgen.
Jetzt nach der Sommerpause benötige er wieder viel Energie und Flüssigkeit für die Gemeinderatssitzungen.
Sie überreichte ihm einen Powerdrink, der Wirkung verspreche: "Wenn Du Dich total forderst, hält
es Dich frisch, ersetzt die verlorene Flüssigkeit und gibt dir alles, was Du brauchst, um durchzuhalten und
volle Leistung zu bringen."
In der Gemeinde Plankstadt würden jedes Jahr verschiedene Personen aus dem öffentlichen Leben und dem
Bereich des Sportes geehrt. Damit würdige man die Verdienste der ehrenamtlich Tätigen. Was fehle sei
ein Preis für praktizierte deutsch - französische Freundschaft. Erste Anwärter auf einen solchen
Preis seien die GLP-Mitglieder Ulrike und Bernd Schmid-Auffarth, die seit mind. 4 Jahren jeden Sommer einen oder
mehrere französische Gäste aus Castelnau le Lez, der französischen Partnerstadt von Plankstadt,
beherbergen würden. Vor allem seien es Schüler oder Studenten, die in den Sommerferien in Plankstadt
einen mehrwöchigen Ferienjob annehmen würden.
In der Gemeinde Plankstadt würden alle Vereine - von Sportvereinen bis zu den Gesangsvereinen - Vereinsheime
fordern. Die GLP möchte sich dieser Forderung ebenfalls anschließen und auch ein Vereinsheim ihr eigen
nennen: "Wir fordern den Wasserturm als Vereinsheim und wünschen uns deshalb von Bürgermeister Huckele,
übergeben Sie uns die Schlüssel für den Wasserturm." Die GLP habe bereits viel Arbeit in die
Innenrenovierung investiert und erhebe deshalb den legitimen Anspruch auf den Wasserturm als Vereinsheim. Die GLP
verpflichte sich im Gegenzug, den Wasserturm jeweils am Tag des Denkmals zu öffnen und der Öffentlichkeit
zugänglich zu machen.
In ihren Grußworten verwiesen Stadtrat Behr und Stadträtin Spinnler auf die gemeinsamen Wurzeln der
1980 gegründeten Grünen Listen Hockenheim und Heidelberg mit der GLP. Als Gastgeschenk überreichte
Stadtrat Behr einen mehrköpfigen Kaktus, der die plurale Führung der GLP symbolisieren soll, eine Klingel
für die Vorstandsfrau Sigrid Schüller, damit sich diese noch besser Gehör verschaffen kann, sowie
eine Einladung zum gemeinsamen Essen auf dem Johanneshof.
Irmtraud Spinnler gratulierte ebenfalls, übergab einen großen rot blühenden Kaktus und versprach
die Hilfe der Heidelberger GAL Fraktion bei dem gemeinsamen Ziel die Straßenbahnlinie nach Plankstadt zu
verlängern.
Danach spielte die Band "Boris Reiser & friends" mit eigenen und gängigen cover songs auf und
fand ein dankbares Publikum. Ein Höhepunkt war dabei der von Papa Reiser gestiftete fetzige GLP Blues.
ho