Schwetzinger Zeitung, den 22.09.1999
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Wasserturm am "Tag des Denkmals" geöffnet |
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Gemeinderat Ulf-Udo Hohl begrüsste in seiner Ansprache die Bundestagsabgeordnete von Bündnis 90/Grüne,
Angelika Köster-Loßack, Bürgermeister Wolfgang Huckele, die Kreisrätin Rita Wolf und die Gemeinderäte
Gaby Wacker (SPD) und seinen Kollegen Winfried Wolf (GLP). |
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Bürgermeister Wolfgang Huckele im Gespräch mit der Bundestagsabgeordneten Angelika Köster-Loßack (B90/Grüne), daneben GLP-Vorstand Bernd Schmid-Auffarth |
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Geschichte der Wasserversorgung und des Wasserturms
Nach
soviel Lob ließ der Redner die Geschichte der Wasserversorgung und des Wasserturms in Plankstadt ausführlich
Revue passieren.Hohl führte aus, daß die Errichtung von Wasser- und Abwasserversorgungen im damaligen
Großherzogtum Baden eine Folge der notwendigen Verbesserung der hygienischen und sanitären Standards
und vor allem der schnell wachsenden Bevölkerung war. So stieg die Bevölkerung von Plankstadt von 483
Einwohner im Jahr 1786, über 1333 im Jahr 1844 auf 3722 Einwohner im Jahr 1906. Ein Schreiben des Großherzogl.
Badischen Bezirksamts Schwetzingen an das Ministerium des Innern in Karlsruhe vom 9. Jan.1895 mache die Ausgangslage
in Plankstadt deutlich und verweise mit den dort genannten Lokalitäten pikanterweise auf Brennpunkte der der
aktuellen Plankstädter Kommunalpolitik. Der in dem Schreiben erwähnte "Brandweiher", in den
das "Tag- und Brauchwasser" geleitet wurde, stelle die heutige "Keesgrieb" dar, die damals
eine zentrale Rolle bei der Abwasserversorgung spielte. Der "geringere Teil" der Abwasser wurde "an
den Ortsenden in das Feld geleitet... wo sich dasselbe versetzen muß." Da "bei starken Regengüssen...
die angrenzenden Häuser und Hofreiten unter Wasser gesetzt werden" beschloss die Gemeinde mit einer Kanalisation
zuerst in der "Waldpfadstraße", auch "neue Schwetzinger Strasse" genannt, einen Hauptkanal
bis zur "alten Kiesgrube", der heutigen Gänsweid, zu legen. Diese Massnahme sei der Beginn einer
kommunalen Wasserversorgung in Plankstadt gewesen. 1888 wurde das Wasserwerk in Mannheim in Betrieb genommen, 1889
der schmucke Wasserturm mit Hochbehälter erbaut. Dies hatte Vorbildcharakter für die umliegenden Gemeinden
der Kurpfalz. Staatliche Behörden, wie die Oberdirektion des Wasser- und Straßenbaus in Karlsruhe sowie
die Großherzogl. Kulturinspektion in Heidelberg, versuchten die Gemeinden bei der Sicherung der öffentlichen
Gesundheit und Hygiene zu unterstützen. Allerdings scheiterten 1904/1905 alle Versuche der Kulturinspektion
die Gemeinden Eppelheim und Plankstadt für einen gemeinsamen Wasserturm zu gewinnen.
Stattdessen beschloss der Plankstädter Bürgerausschuss am 22. Mai 1906 mit 49 Ja und einer Nein Stimme
eine eigene öffentliche Wasserversorgung zu bauen und dafür ein Darlehen in Höhe von 190000 MK aufzunehmen.
Am 28.Juni 1906 beschloss der Gemeinderat einen Wasserturm zu errichten. Das Baugesuch wurde am 3. Juli von der
Baukommission abgesegnet und bereits am 13. Juli erging der Baubescheid durch das Bezirksamt Schwetzingen. Federführend
war dabei der damalige Bürgermeister Peter Helmling und der Bauleiter Clemens Baumeister.
Gemeinderat Hohl teilte dann einige technische Details des Wasserturms mit: Höhe bis zur Windfahne 44 m, Fallhöhe des Wassers 34 m, Fassungsvermögen des Hochbehälters 250000 l, die zum Ausgleich der Druckverhältnisse bei starkem Wasserverbrauch und der Brandbekämpfung dienten. Die Architektur bezeichnte er als technischen Zweckbau der in die historisierende Form eines Burgfrieds eingebunden wurde. Der Wasserturm arbeitete ohne größere Probleme bis er am 23. März 1981 vom Netz genommen wurde. Am 17. Okt. 1981 stellte die Gemeinde Plankstadt wegen Verseuchung ihres Grundwassers die Eigenversorgung mit Wasser bis heute ein. Gemeinsam mit dem Wasserturm, der 1907 in Betrieb ging, wurde das Pump- und Wasserwerk errichtet. Erster Pumpmeister war Heinrich Gund, der am 1. Mai 1908 "den Dienst zur pflichtgetreuen Wasserversorgung" antrat. Für alles andere wie den Wasserturm, Hydranten und Wasserleitungen war der Brunnenmeister Franz Berlinghof verantwortlich.
GLP und Wasserturm
Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen ging Hohl auf das Verhältnis der GLP zum Wasserturm ein. Er fasste dies unter dem Sloagan: "Kultur im Wasserturm" zusammen und verwies auf mehrer Versuche diese Vorstellungen umzusetzen. Hohl: "Trotz vieler guter Argumente scheiterten alle Versuche aus politischen Gründen, die sich hinter formalen Bestimmungen verschanzten." Mit Unterstützung von Bürgermeister Huckele sei es dann aber 1994 der GLP gelungen die Ausstellung "Wassertürme gestern und heute" zu präsentieren und den Wasserturm erstmals mit erheblichen Renovierungsarbeiten 7 Tage für die Öffentlichkeit zu öffnen. 1995 wurde diese Ausstellung anlässlich des "Tages des Denkmals" in Gemeinderegie nochmals 3 Tage gezeigt. Die damaligen Hoffnungen, daß damit der Bann gebroche sei und der Wasserturm den Dornröschenschlaf beende, hätten sich nicht erfüllt. Hohl machte deutlich, daß die GLP weiterhin die Ansicht vertrete, daß sich die Gemeinde zu ihrem markanten Wahrzeichen auch finanziell bekennen müsse. Die GLP wolle kein Mahnmal, daß vergangene Technik dokumentiere aber vor sich hinrotte, sondern ein offenes Denkmal, welches technische Tradition mit zeitgenössicher Nutzung verbinde. Nur eine solche Kombination garantiere letztendlich den Erhalt des Gebäudes.
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Gemeinderat Hohl sprach deshalb die Hoffnung aus, dass spätestens zur Jahrhundertfeier im Jahr 2007, der
total sanierte Wasserturm seiner neuen Bestimmung übergeben und Plankstadt um eine Attraktion reicher sei. |
uhl